Erich Geldner

Lebenslauf

Liste der Bauwerke des Architekten:

- Umbau des Kaufhauses Herrmann & Vogel, Hrnčířská 282/1 a 121/3, Opava-Město, 1928

- Villa von Franz und Olga Koschatka, Gudrichova 1393/26, Opava-Předměstí, 1925–⁠1926

- Umgestaltung des Kaufhauses Bernhard Huppert, Hrnčířská 270/10 a 271/12, Opava-Město, 1928–⁠1929

- Umbau des Klosters der Kongregation der Barmherzigen Schwestern des Dritten Ordens des hl. Franziskus, Kylešovská, Opava-Předměstí, 1928–⁠1929

- Umspannwerk, Rybí trh, Opava-Město, 1929–⁠1931

- Umbau des Kaufhauses J. Stanke und Anbau einer Produktionshalle und eines Lagers, náměstí Republiky 198/2, Opava-Předměstí, 1930

- Druckerei Drechsler, sady Svobody 448/4, Opava-Město, 1930

- Villa von Ernst und Hermine Gebauer, Hradecká 1815/52, Opava-Předměstí, 1931

- Umgestaltung des Hauses von Gustav Schäffner, Horní náměstí 151/30, Opava-Město, 1931 (abgerissen)

- Wohnhausgruppe, Rybova 1873/14, 1778/15, 1832/18, 1515/20, 1779/22, Opava-Předměstí, 1926–⁠1932

- Wohnhausgruppe, Sluneční 1988/11, 1989/13, 2013/15, 2037/17, Opava-Předměstí, 1936–⁠1938

- Wohnhaus von Gustav und Josefine Theiner, Rooseveltova 1940/33, Opava-Předměstí, 1934

- Wohnhäuser, Stojanova 2031/7, 2015/9, Opava-Předměstí, 1937

- Mietshäuser, Jurečkova 20/2032, Rooseveltova 2016/15, 2027/17, Opava-Předměstí, 1937–⁠1938

- Mietshaus, Hany Kvapilové 2121/16, 2073/16a, Opava-Předměstí, 1937

- Villa von Karl und Mizzi Steuer, Heydukova 2084/5, Opava-Předměstí, 1938–⁠1939

- Wohnhaus von Guido Maly, Lidická 723/3, Opava-Předměstí, um 1938

 

Erich Geldner kam in der Familie des Troppauer Baumeisters Alois Geldner und seiner Frau Marie Geldner, geborene Brumovská, zur Welt. In den Jahren 1910–⁠1918 studierte er an der Technischen Hochschule in Wien; mit zweimaliger Unterbrechung durch den Militärdienst (1909–⁠1910, 1914–⁠1918). Im Jahr 1921 heiratete er in Troppau (Opava) Elsa Lindner (1897–⁠1988), die Tochter des jüdischen Kaufmanns Leopold Lindner. Die Ehe blieb kinderlos.

Nach dem Studium arbeitete Geldner im familieneigenen Bauunternehmen, dessen Leitung er nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1923 übernahm; 1925 wurde er Alleininhaber der Firma. Er wohnte im Haus Nr. 432 in der Jaktarer Vorstadt (Jaktařské předměstí). Zwar war Geldner selbst freischaffender Architekt, sein Bauunternehmen realisierte jedoch auch sehr häufig städtische Aufträge und Entwürfe anderer Architekten. Zu den bedeutendsten Projekten zählen der Umbau des Kaufhauses Breda & Weinstein nach dem Entwurf von Leopold Bauer (1927–⁠1929), das von Bauers Sohn Harald entworfene Wohnhaus der Brüder Erwin und Fritz Käufler in der Straße Dolní schody 8 (1931–⁠1933), die Pflegeschule Franziscaneum nach dem Entwurf von Karl Gottwald (1928–⁠1930) sowie dessen eigene Villa (1929–⁠1930), die Villa von Hans Kalitta (1927) und das ebenfalls von Kalitta entworfene Gebäude des Schlesischen Kleingärtnervereins in der Straße Hradecká 51. Mehrmals arbeitete Erich Geldner auch mit Otto Reichner zusammen (Städtisches Freibad, 1929–⁠1931; Villa von August und Erich Lassmann, 1931–⁠1932; Café Niedermeyer, 1933). Sein erstes architektonisches Projekt war vermutlich der Umbau von Wladimir Demels Haus (Tyršova 20), in dem er zu dieser Zeit selbst wohnte. Auch später widmete sich Geldner Wohnhausprojekten – hervorzuheben sind die Villa Olga für Franz Koschatka (1926), die Villa für Ernst Gebauer in der Straße Hradecká 52 (1931), das Wohnhaus des Ehepaars Theiner in der Straße Rooseveltova 33 (1934), die Wohnanlagen in der Straße Rybova 14, 16, 18, 20, 22, 24 und der Straße Sluneční 11, 13, 15, 17 im Stadtteil Neu-Jaktar (Nový Jaktař, 1931–⁠1936) sowie die nicht realisierte Villa für Walter und Else Zohner und die Doppelvilla Freissler–Weisshuhn.

Erich Geldner entwarf auch technische Objekte wie das Gebäude der Druckerei Drechsler im Stadtpark Sady Svobody (1930), das Umspannwerk auf dem Rybí trh (1929–⁠1931), den Erweiterungsbau der Produktionshalle der Firma J. Stanke auf dem Platz Náměstí republiky 2 (1930), die nicht realisierte Fahrrad- und Nähmaschinenfabrik derselben Firma und den Garagenkomplex von G. Günther (1935).

Besonders in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre widmete sich Geldner auch der Neugestaltung von Fassaden und Geschäftsräumen in den Erdgeschossen historischer Häuser in der Innenstadt, von denen jedoch bis auf wenige Ausnahmen keine erhalten geblieben sind. Erwähnt seien die Umbauten der Häuser von Karl Steuer (Horní náměstí 27), Gustav Schäffner (Horní náměstí 30, abgerissen) sowie Paul Weinkopf (Horní náměstí 11, abgerissen). Weiterhin zu nennen sind das Café Hansel (Horní náměstí 37, abgerissen) und das angrenzende Kaufhaus Girschek (Horní náměstí 38), bei dessen Umbau Geldner ein neu entdecktes Renaissance-Sgraffito integrierte; ferner der Um- und Anbau des Kaufhauses Herrmann & Vogel (Hrnčířská 1 und 3) sowie die Umgestaltung des Kaufhauses Huppert (Hrnčířská 10 und 12). Den Anpassungen älterer Gebäude zuzurechnen ist auch der Einbau zweier Büros in das Dachgeschoss des Westflügels der Handels- und Gewerbekammer einschließlich Dachanpassung und Errichtung einer Gaube (Nádražní okruh, 1931, 1936) sowie der Umbau des Klosters der Kongregation der Barmherzigen Schwestern des Dritten Ordens des hl. Franziskus in der Straße Kylešovská (1928–⁠1929).

Erich Geldner war als Mitglied der Einkaufsgenossenschaft Schlesischer Bauten sowie als gerichtlicher Sachverständiger und Gutachter auch gesellschaftlich engagiert. Auch politisch trat er hervor und gehörte als Vertreter einer demokratischen deutschen Partei dem Regulierungsausschuss der Stadt an. Um weiterhin in der Firma tätig sein zu können – vor allem aber, um seine jüdische Ehefrau zu schützen – trat Geldner im März 1938 der Sudetendeutschen Partei bei und ließ sich formell von Else scheiden, unterstützte sie jedoch während des gesamten Krieges heimlich materiell. Mit der Begründung, es handle sich um eine jüdische Firma, wurde in dieser Zeit der dem Regime loyal gesinnte Viktor Götzl in die Unternehmensleitung eingesetzt. Nach Kriegsende wurde Geldner zunächst in einem Arbeitslager interniert, in dem er das technische Büro leitete und Pläne für Lagerbaracken erstellte. Dank der Aussage seiner Ehefrau, die aus dem Exil zurückgekehrt war (sie war unter falschem Namen in Budapest untergetaucht) und seine antifaschistische Haltung bezeugte, entging er der Zwangsaussiedlung und durfte in Troppau bleiben. Zwar erhielt Geldner im Jahr 1950 seine tschechoslowakische Staatsbürgerschaft zurück, sein Unternehmen war jedoch bereits im Jahr 1945 unter nationale Verwaltung gestellt worden (nationaler Verwalter: Ludvík Žídek, Baumeister und Architekt). Im Jahr 1948 wurde die Firma den Tschechoslowakischen Baubetrieben, Nationalbetrieb Prag, Betriebsstelle für Hochbau Troppau, (Československé stavební závody, n. p. Praha, závod pro pozemní stavby Opava), eingegliedert und schließlich im Jahr 1951 liquidiert. In der Folge arbeitete Geldner als Projektant bei den Tschechoslowakischen Baubetrieben.

Der architektonische Stil von Erich Geldner war zu Beginn seines Schaffens durch den Historismus inspiriert. Seit den 1920er Jahren bewegte er sich über Dekorativismus und einen deutschen Regionalismus, der sich zu einer „Poetik der Heimat“ bekannte (Heimatstil), hin zu einem modernen Rationalismus und zur Neuen Sachlichkeit, die einige seiner Entwürfe aus den 1930er Jahren kennzeichneten. Seine Entwürfe von Wohnhäusern und Villen, die dem Geschmack der mittelständischen Troppauer Gesellschaft entsprachen, sind oft von der Wiener Moderne und dem Neobiedermeier inspiriert. Wiederkehrende Elemente sind dabei Walmdächer, zylindrische Risalite und antikisierende Säulen.

RR

Auswahl weiterer Werke

Außerhalb von Troppau realisierte Bauwerke:

- Ostrava-Radvanice, Vrchlického 401/5, Tschechische Bürgerschule für Jungen und Mädchen František Sokol Tůma, 1925–⁠1926

- Hradec nad Moravicí-Žimrovice, Vereinsheim auf dem Gelände der Papierfabrik Karl Weisshuhn und Söhne, 1926

Quellen

Literatur

  • Romana Rosová – Martin Strakoš (eds.), Průvodce architekturou Opavy, Ostrava 2011, S. 326.
  • Pavel Šopák, Erich Geldner – domy pro Opavu, Časopis Slezského zemského muzea, série B – vědy historické, 50, 2001, S. 74–91.
  • Jindřich Vybíral, Opavští architekti a stavitelé v letech 1918–⁠1938, Časopis Slezského muzea, série B – vědy historické, 37, 1988, S. 258–265, zde s. 261.
  • Jindřich Vybíral, Opavská architektura v letech 1918–⁠1929, Časopis Slezského muzea, série B – vědy historické, 35, 1986, S. 166–184.
  • Jindřich Vybíral, Opavská architektura v letech 1930–⁠1938, Časopis Slezského muzea, série B – vědy historické, 36, 1987, S. 257–276.