Eigene Villa von Karl Gottwald

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Das Gebiet des sogenannten Gilschwitzer Hügels (Kylešovský kopec) war an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ein beliebtes Ziel für Spaziergänge der Troppauer; am sogenannten Gilschwitzer Gürtel (heute Rooseveltova-Straße) standen bereits Anfang des 20. Jahrhunderts mehrere größere Gebäude, z. B. das Marianum (1908). Nach 1918, als aufgrund des Zuzugs neuer Staats- und Landesbeamte eine Wohnungskrise gelöst werden musste, wurde der Gilschwitzer Hügel zu einem Wohnviertel umgewandelt. Mit der Zeit etablierte sich die Gegend als gute Adresse, und so ließ sich hier auch der Architekt Karl Gottwald nach der Pensionierung eine Villa nach eigenen Plänen errichten. Ein Grund für den Bau der Villa war vermutlich auch seine kurz zuvor geschlossene Ehe, denn er bezog das neue Heim mit seiner Frau und deren Sohn aus erster Ehe.

In seinem Entwurf kombinierte Karl Gottwald seinen traditionell romantisierenden Dekorativismus mit Formen des Heimatstils. Das zweistöckige Haus mit hohem Walmdach steht unmittelbar an der Straßenlinie. Es ist mit einem eingeschossigen, funktionalen Trakt der Straße zugewandt und wirkt von dieser Seite verschlossen, aber gleichzeitig repräsentativ. Zu verdanken ist dies dem skulptural gestalteten Straßenportal mit Figuren von Adam und Eva (etwas bizarr als Kinderpaar dargestellt), einem lachenden Teufelskopf, Vögeln, Hunden und Weintrauben. Schöpfer des Portals war der Bildhauer Max Ludwig aus Würbenthal (Vrbno pod Pradědem). Die Motive der Fenstergitter wiederholen sich auf den bis heute erhaltenen Torflügeln und der Eingangspforte. Anders gelöst ist der zweigeschossige Gartentrakt: Die Fassade ist durch einen vorspringenden Erdgeschoss-Risalit gegliedert, der die Terrasse im Obergeschoss trägt. Die zurückversetzte Veranda in der Mitte des Risalits ist über eine kleine Terrasse mit einem seitlichen Treppenpaar zugänglich. Zur Straßenseite hin waren die Büros des Architekten und die Wirtschaftsräume (Küche mit Bügelraum und angeschlossener Garderobe), zur Gartenseite hin der Wohnbereich mit den Gesellschaftsräumen im Erdgeschoss und den Schlafzimmern im Obergeschoss.

RR

Literatur

  • Romana Rosová – Martin Strakoš (eds.), Průvodce architekturou Opavy, Ostrava 2011, S. 182.
  • Pavel Šopák, Architekt Karl Gottwald, in: Sborník Národního památkového ústavu v Ostravě 2003, S. 95–104.
  • Pavel Šopák, Vzdálené ohlasy. Moderní architektura českého Slezska ve středoevropském kontextu 1, Opava 2014, S. 241.
  • Jindřich Vybíral, Opavská architektura v letech 1918–⁠1929, Časopis Slezského muzea, série B – vědy historické, 35, 1986, S. 166–184, zde s. 180.
  • Jindřich Vybíral, Vlastní vila Karla Gottwalda, in: Jindřich Vybíral (ed.), Slavné vily Moravskoslezského kraje, Praha 2008, S. 95–97.