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Der Kaiser-Joseph-Park (heute Sady Svobody) entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als einer von mehreren Parks an der Stelle des Südteils der abgerissenen Befestigungsanlagen. In den 1840er und 1850er Jahren wurde der Bau einer Ringstraße entlang der Parklinie aufgenommen, nach dem Vorbild der Wiener Ringstraße. Südlich des Kaiser-Joseph-Parks entstand am Eingangstor des ehemaligen Gratzer Tors ein neuer Platz mit der Bezeichnung Holzmarkt (später Beethovenovo náměstí, heute náměstí Svobody). Obwohl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entlang der Ringstraße beeindruckende öffentliche Gebäude gebaut wurden, erschienen im Bereich des heutigen Platzes Náměstí Svobody und der Sady Svobody erst an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert eindrucksvollere und mehrstöckige Häuser, und die nordöstliche Seite wurde erst in den 1930er Jahren mit der Druckerei Drechsler bebaut.
Die Druckerei am Ende der Masarykova třída war die älteste in Troppau (Opava) und wurde bereits 1716 von Johan Schindler betrieben. Seit 1807 gab Josef Georg Trassler (Inhaber seit 1779) hier die Troppauer Zeitung heraus (seit 1918 unter dem Namen Deutsche Post). Im Jahr 1883 verkaufte Alfred Trassler die Druckerei an Adolf Drechsler. Trassler hieß die Buch- und Steindruckerei noch bis zum Jahr 1899, als Drechsler den neuen Namen amtlich eintragen ließ. Ursprünglich befand sich die Druckerei im Haus Nr. 5 in der Straße Sady Svobody (nach 2000 Restaurant U Tiskárny) und beherbergte nicht nur die Druckerei, die Redaktionen der Troppauer Zeitung, der Wochenzeitung Deutsche Woche und der Feuerwehrzeitschrift Österreichisch Schlesische Feuerwehr Zeitung, sondern auch die Troppauer Filiale der Versicherungsgesellschaft „Donau“. Während der Ersten Tschechoslowakischen Republik, als die Druckerei Drechsler zum größten Unternehmen seiner Art in Troppau aufstieg, reichte die Kapazität des alten zweistöckigen Gebäudes nicht mehr aus. Deshalb ließ Adolf Drechsler im Jahr 1930 vom Troppauer Architekten und Baumeister Erich Geldner ein modernes Gebäude entwerfen, das zwischen der alten Druckerei und den Räumlichkeiten der Bestattungsanstalt „Pietät“ entstehen sollte.
Das vierstöckige Druckereigebäude mit rechteckigem Grundriss definiert nicht nur die Straßenfront, sondern setzt mit seiner sachlich-nüchternen Architektursprache im Geist der Neuen Sachlichkeit einen bewussten Kontrastpunkt zur historisch geprägten Umgebungsbebauung. Der kubische Baukörper ist im rechten Bereich über zwei Fensterachsen hinweg überhöht. Das mit Strukturputz verputzte Erdgeschoss wurde mit einem markanten über die Ecke reichenden, durchgehenden Gesims von den übrigen Stockwerken getrennt. Es ist durch sechs Fensterachsen mit hohen rechteckigen Fenstern und Souterrainfenstern gegliedert; ganz rechts ist der Haupteingang angeordnet, betont mit einer rundbogigen Rahmung. Daneben befindet sich eine flache Nische, die ursprünglich wohl zum Aushängen von Anzeigen bestimmt war. In den Geschossen gibt es sieben Fensterachsen mit breiteren Fenstern. Das Gebäude wird von einem hervorgehobenen Kranzgesims abgeschlossen; das Flachdach wurde zu einer Terrasse mit einem Rohrgeländer umgestaltet. An der ursprünglichen rationalen Disposition wurden später postmoderne Änderungen vorgenommen. Im Innenhof wurden an die ältere, historistische Bebauung eingeschossige Geschäftsräume mit verglasten Fassaden und einer holzverkleideten Attika angebaut. In den Jahren 2001–2002 wurde die Druckerei nach einem Entwurf von Kateřina Kučírková vom Studio Baneba als Hauptsitz der Versicherungsgesellschaft Kooperativa umgebaut und ein neuer Seiteneingang mit einer viertelrunden Treppe und einem Vordach geschaffen.
RR