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Eines der ersten Projekte von Harald Bauer in Troppau (Opava) aus der Zeit als selbstständiger Architekt ist das zweistöckige Wohnhaus von Erwin und Fritz Käufler in der Straße Dolní schody 8/1912. Es besticht durch seine kubische, dreiteilige Baukörperlösung, eine Dachterrasse, leicht gewölbte Dächer, die fast schon als Flachdächer bezeichnet werden können, und eine strukturierte Fassade, die den romantisierenden Traditionalismus mit der aufkommenden Neuen Sachlichkeit vereint.
Das Haus entstand während des Baubooms Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre, als Vertreter des gehobenen Bürgertums hier Häuser errichten ließen, mit denen sie an die ältere Mischbebauung aus der Zeit um die Jahrhundertwende rund um den Bahnhof anknüpften. Auf dem zum Nordbahnhof (heute Opava-východ) abfallenden Areal entstanden mehrere Einfamilienhäuser, die zeitgenössische Vorstellungen vom individuellen Wohnen widerspiegelten und eine Synthese aus romantisierenden traditionellen Elementen und moderner Architektur zeigten. Das Gebiet bot sich dafür allein schon durch die Nähe zum Bahnhof an; der Gedanke der Modernität äußerte sich zudem in der Akzeptanz der Idee vom modernen Haus als einem Haus mit Flachdach oder Dachterrasse und schmucklosen Fassaden. Flachdächer und eine Terrasse weisen zum Beispiel das gegenüberliegende Haus von Josef und Josefine Vilner in der Straße Dolní schody 5 auf.
Das Wohnhaus von Erwin und Fritz Käufler ist zweistöckig und mit einer dreiachsigen Fassade zur Straße hin orientiert, die vertikalen Fenster sind mit plastischen Faschen eingefasst. Die südliche Eingangsfront in der Mittelachse mit einem flachen Treppenhausrisalit bildet den höchsten Teil des Hauses. Die seitlichen Teile sind niedriger, wenngleich der Gartentrakt durch ein Attikageschoss mit Rundfenstern erhöht ist. Die fein strukturierte Fassade wird durch subtile Elemente aus geglättetem Putz in Form eines schmalen Kranzgesimses und abgerundeter Fensterfaschen ergänzt. Während die straßenseitigen Fenster eine traditionelle vertikale Gliederung aufweisen und die Fensterachse des Treppenhausrisalits durch ein Rundbogenfenster abgeschlossen wird, sind die Fenster der Wohnräume zur Gartenseite eher horizontal ausgerichtet. Im Attikageschoss kommen zudem runde Fenster mit einer nautischen Anmutung zum Einsatz, die auf Bauers Einflüsse zwischen romantisierendem Traditionalismus und gewissen Strömungen der Neuen Sachlichkeit verweisen. Die Gartenfassade wird durch einen Erker auf prismatischen Pfeilern dynamisiert.
Die Raumaufteilung des Hauses ist in drei Sektionen gegliedert, wobei die mittlere Sektion im südlichen Teil als Verbindungstrakt mit einem zweiläufigen Treppenhaus ins Obergeschoss und zur Dachterrasse dient, während sich im nördlichen Teil die Küchen befinden. Die Wohnungen im Erd- und Obergeschoss sind jeweils mit einem mittig gelegenen Eingangsbereich und zwei Räumen in den seitlichen Bereichen organisiert. Das Haus stellt in Bauers Werk einen Übergangsbau zwischen romantisierendem Traditionalismus und einem modernen Verständnis im Geist der Neuen Sachlichkeit dar. Die heutige Einfriedung und andere Eingriffe in die Bausubstanz, etwa beim Sockel, stören die ursprüngliche architektonische Gestaltung.
MSt