Zum Objekt
Das Objekt ist Teil eines Villenpaares unweit des historischen Stadtkerns an der Ecke der heutigen Straßen Tyršova und Rooseveltova. Gemeinsam mit der Nachbarvilla von August Lassmann stellt es das prägnanteste Beispiel für die Villenbauten für die gehobene Gesellschaft in den 1930er Jahren dar, die auf romantisierende Weise die Prinzipien der damaligen modernen Architektur widerspiegeln.
Wie bei der Villa von August Lassmann angeführt, ist die Nachbarvilla von Erich Lassmann (1900–?) ebenfalls in drei abgestuften Baukörpern gestaltet, die mit Flachdächern abgeschlossen sind. Darüber hinaus scheint die architektonische Lösung die Form der Nachbarvilla spiegelbildlich zu reflektieren. Ähnlich gestaltet ist auch die Dachlandschaft, denn sowohl auf dem einstöckigen als auch auf dem zweistöckigen Gebäudeteil befinden sich analog zur Nachbarvilla Dachterrassen mit gemauerten Brüstungen, die von den angrenzenden Zimmern der oberen Baukörper zugänglich sind. Auch die Fassaden von Erich Lassmanns Villa sind durch den Wechsel aus symmetrischer und asymmetrischer Anordnung der Öffnungen gegliedert, wobei die kompositorische Basis überwiegend die leicht rechteckigen, zweiflügeligen Fenster bilden, die vom Architekten zu verschiedenen Ensembles zusammengefügt wurden. Hinsichtlich der räumlichen Gliederung hat Reichner hier ähnlich wie im Nachbarhaus das Prinzip einer zentralen Halle umgesetzt, an die weitere Räume wie Arbeitszimmer oder ein mit der Küche verbundenes Esszimmer angrenzen. Das Gesamtbild wird durch den parkähnlich gestalteten Garten sowie den Zaun aus Bruchstein mit Betoneinfassungen und Drahtgeflecht unterstrichen, der identisch mit dem der anliegenden Villa August Lassmanns ausgeführt ist.
Obwohl sich die Villa architektonisch an der Moderne orientiert und überhaupt nicht auf die nationalistisch gefärbte deutsche Architektur verweist, die von Teilen der nationalsozialistischen Bewegung bevorzugt wurde, war Erich Lassmann nicht nur Mitglied der NSDAP, sondern engagierte sich auch aktiv in weiteren NS-Organisationen – als wollte er gewissermaßen den Umstand verbergen, dass sein Haus von einem bestimmten Interesse seinerseits am internationalen Stil zeugte, der im nationalsozialistischen Deutschland als unerwünschter Kulturimport galt.
Nach 1945 wurde die Familie Lassmann in das spätere Westdeutschland ausgesiedelt. Die Villa von Erich Lassmann wurde anschließend vom Institut für Hygiene genutzt und befindet sich heute, ebenso wie die benachbarte Villa von August Lassmann, im Besitz der Polizei der Tschechischen Republik. Obwohl die Fassaden auf ein gut erhaltenes Objekt schließen lassen, schlägt sich im Erscheinungsbild des Hauses genau wie bei der Nachbarsvilla auch hier die heutige Nutzung nieder; die ursprüngliche Funktion als individueller Wohnraum ist verloren gegangen.
MSt