Das Wohn- und Geschäftshaus der Stadtsparkasse

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Das Wohnhaus der Stadtsparkasse, im Herzen des historischen Zentrums von Troppau (Opava) gegenüber der Konkathedrale Mariä Himmelfahrt, stellt neben dem städtischen Freibad das anspruchsvollste Bauwerk des Architekten Otto Reichner aus seiner letzten Lebens- und Schaffensphase in Troppau dar.

Die Stadtsparkasse Troppau entschied sich Mitte der 1930er Jahre, an ihren prunkvollen historistischen Sitz aus dem frühen 20. Jahrhundert, der im Kontext der Troppauer Ringstraße errichtet wurde, anzuknüpfen. Daher fiel der Beschluss, ein vierstöckiges Wohn- und Geschäftshaus in T-Form in Richtung Horní náměstí anzubauen, das die städtische Finanzinstitution angemessen repräsentieren sollte. Für die Projektplanung wurde der damals bedeutendste Troppauer Architekt Otto Reichner herangezogen, der sich bereits mit dem Entwurf des neuen städtischen Freibads am Stadtpark im Nordwesten von Troppau sowie mit mehreren Villenprojekten für Troppauer Unternehmer einen Namen gemacht hatte.

Reichner entwarf ein Haus, das genauso hoch war wie die Sparkasse. Gleichzeitig setzte er zurückhaltende Formen ein, die dem architektonischen Ausdrucksrepertoire der Neuen Sachlichkeit zuzuordnen sind, und schuf so einen Kontrast zur historistischen Anlage des Sparkassenpalais mit seinem stark bossierten Erdgeschoss in Form eines Sockels, seinen darüber gelegenen, mit Sichtziegelmauerwerk verkleideten Teilen und der plastischen Ausgestaltung in Stuck. Demgegenüber stehen die verputzten, ungeteilten Fassadenflächen des Wohnbereichs des neuen Gebäudes, die in Konfrontation mit dem architektonischen Charakter des Sparkassengebäudes einen völlig anderen Ausdruck städtischer Architektur darstellen. Anstelle einer auf Wirkung bedachten Ornamentik kommen hier eine feine Geometrie der Formen und handwerkliche Qualität der baulichen Gestaltung zum Tragen. Reichner nutzte geometrische Mittel, bestehend aus Fassadenflächen und einem Raster von Öffnungen in Form von Türen, Schaufenstern und zweiflügeligen, maßvoll rechteckigen Fenstern. Weitere Elemente sind Öffnungen wie das dreiachsige Durchfahrtstor, eine Loggia im oberen Bereich des Risalits mit einem Turmaufsatz über dem Durchgang sowie Rundbogenfenster in der Attika dieses Gebäudeteils. Dieser Risalit mit Tor und Turmaufsatz bildet auch einen markanten Akzent im Kontext der Straße Čapkova und des Horní náměstí zwischen dem Haus und der Konkathedrale Mariä Himmelfahrt. Die Durchfahrt selbst wurde zur Hauptdominante dieses Gebäudeteils, da sie durch den Turmaufsatz und ein bildhauerisch gestaltetes Portal hervorgehoben wird; beides inspiriert von der italienischen rationalistischen Architektur und der zeitgenössischen bildenden Kunst. Der mittige, für Autos bestimmte Teil wird durch halbzylindrische Säulen betont, auf denen allegorische Figuren stehen, Elemente einer komplexen skulpturalen Gestaltung. Sie sind Teil eines Reliefs von dem schlesischen Bildhauer Josef Obeth zum Thema Leben und Sparsamkeit, inspiriert unter anderem von den Ausdrucksformen der damaligen offiziellen deutschen Bildhauerei und dem Werk Arno Brekers. Teil der Anlage ist ein großzügiges zweiläufiges Treppenhaus, das zu den Etagen mit luxuriösen Wohnungen samt Vorräumen und handwerklich präzise ausgeführten Innenräumen mit erhaltenen Originaltüren und Parkettböden führt.

 

MSt

Literatur

  • Jaromíra Knapíková – Zdeněk Kravar, Opavský uličník, Opava 2017, S. 66.
  • Romana Rosová – Martin Strakoš (eds.), Průvodce architekturou Opavy, Ostrava 2011, S. 108.
  • Martin Strakoš – Romana Rosová – Roman Polášek, Opavské interiéry, Ostrava 2014, S. 192–195.
  • Vladimír Šlapeta – Jindřich Vybíral – Pavel Zatloukal, Opavská architektura let 1850–⁠1950, Umění 34, 1986, S. 236.
  • Jindřich Vybíral, Opavská architektura v letech 1930–⁠1938, Časopis Slezského muzea, série B – vědy historické, 36, 1987, S. 273.