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Bis zum Beginn der 1930er Jahre schloss sich an das Troppauer Schmetterhaus (heute „Hláska“), die Dominante des zentralen Teils des Oberrings, das sogenannte Stöckel an –, ein Ensemble historischer Häuser, das einen malerischen, dreistöckigen Block bildete. Bis Anfang der 1930er Jahre standen an dieser Stelle Häuser mit barocken und historistischen Fassaden. Da das alte Schmetterhaus in den Jahren 1902 bis 1904 umgebaut und dabei deutlich vergrößert wurde, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch der Umbau des Stöckels in Angriff genommen wurde.
Der Umbau begann Anfang der 1930er Jahre mit dem Abriss des Eckhauses. In der Konzeption setzte sich der Ansatz durch, die Bebauung zwar modern zu gestalten, dabei jedoch zugleich die städtebauliche Gliederung der älteren Bebauung zu respektieren. Ursprünglich soll sich im Jahr 1931 Tomáš Baťa für das Grundstück interessiert haben, doch der Pächter des städtischen Cafés, Alexander Niedermeyer, kam ihm zuvor. Er kaufte das Eckgrundstück, um maßstabsgerecht an das neue Schmetterhaus anzuknüpfen. Dafür musste jedoch die Straßenfluchtlinie so verschoben werden, dass Platz für die Vergrößerung des neuen Gebäudes entstand, das auf das Niveau der Baufluchtlinie des neuen Schmetterhauses zum Marktplatz hin vorrücken sollte. Angeblich plante A. Niedermeyer in dem Neubau die Errichtung eines modernen Cafés sowie die Unterbringung von Büros und Wohnungen für den Pächter und das Personal.
Das Projekt wurde dem erfolgreichen jungen Architekten Otto Reichner anvertraut, der damals bereits den Bau des städtischen Freibads abgeschlossen hatte. Er gestaltete das Gebäude als kubische Komposition mit einem Unterbau, einem mittleren Baukörper und einem oberen Wohngeschoss. Bei der Aufteilung des Objekts berücksichtigte Reichner auch die Beziehung zum benachbarten Schmetterhaus, indem er den Neubau nur durch einen schmalen Verbindungstrakt mit dem historischen Gebäude verband, um das Haus von dem historischen Bauwerk abzusetzen. Das Parterre gestaltete er als hervorspringendes Sockelgeschoss mit einer Rahmenkonstruktion und großen rechteckigen, modernen Schaufenstern mit textilen Markisen. Auf diesen Unterbau setzte Reichner einen dreigeschossigen, zurückhaltend gegliederten Baukörper mit Flachdach. Die einzelnen Etagen differenzierte er durch unterschiedlich gestaltete Fensteröffnungen – sowohl in ihrer Größe als auch in ihrem Rhythmus. Reichner trennte das erste Obergeschoss durch ein durchgehendes Kordongesims vom zweiten; das dritte Obergeschoss verzierte er zwischen den Fenstern mit dekorativen Motiven. Den Wohnbereich im obersten Teil der symmetrisch gestalteten östlichen Gebäudefront krönte er mit einem Balkon, der von kleinen runden Fenstern eingefasst wird. Mit seiner kürzeren Gebäudefront zum Hof zwischen dem Stöckel und dem Schmetterturm wendet sich das Objekt auch der Nordseite zu.
Das Bauwerk ist ein Ausdruck für die oszillierende, hochwertige Verbindung in O. Reichners Werk zwischen Neuer Sachlichkeit und den romantisierenden Motiven des Dekorativismus und des Traditionalismus jener Zeit. In manchen Motiven spiegeln sich zugleich die Wiener Werke der Architekten Josef Frank und Oskar Strnad wider. Ein herausragendes Beispiel für diesen Einfluss ist beispielsweise die Wiederholung der Fensteröffnungen und der dekorativen Motive dazwischen sowie die symmetrisch gestaltete Gebäudefront zum Marktplatz mit Balkon und kleinen runden Fenstern. Das Haus stellte den ersten realisierten Umbau des Troppauer Stöckels dar, an den Harald Bauer mit dem Bau des Nachbarhauses „TEBA“ von Frieda Teitelbaum anknüpfte.
MSt