Eigene Villa von Johann Kalitta, genannt „Trautes Heim“

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Neben dem Gilschwitzer Hügel (Kylešovský kopec), wo nach 1918 eine rasante Bebauung mit Villen einsetzte, lag ein weiteres für den Wohnungsbau bestimmtes Gebiet – südwestlich des Troppauer Stadtzentrums zwischen der Otická-, Olomoucká- und der heutigen Englišova-Straße. Der Impuls für die Stadterweiterung in diese Richtung war der Bau der Masaryk-Wirtschaftsschule mit dem angrenzenden Areal der staatlichen landwirtschaftlichen Versuchsanstalt (Purkyňova 12). Dieses Viertel entstand auf den ehemaligen Grundstücken des Deutschen Ordens, der sog. Kommende, der im Zuge der Bodenreform enteignet wurde. Die Bezeichnung Kommende ging in der Folge auf das gesamte neue Viertel über. Das Zentrum bildete die heutige Englišova-Straße, damals Kommendeweg. Die Bebauung der Kommende war architektonisch wenig auffällig, meist handelte es sich um gewöhnliche, teils standardisierte Bauten örtlicher Bauunternehmen. Dennoch stachen einige Solitäre hervor. Einer davon war die Villa des Troppauer Architekten Johann (Hans) Kalitta mit dem Namen „Trautes Heim“, die er selbst entwarf und von der Firma Erich Geldner in der Gogolova-Straße errichten ließ.

Der freistehende, zweistöckige Bau mit ausgebautem Dachgeschoss und Mansarddach ist die bauliche Verkörperung seines Namens. Beginnend beim schmetterlingsförmigen Grundriss, der die innere Anordnung bestimmt, über den barockisierenden Baukörper mit halbkreisförmigen und rechteckigen Risaliten bis hin zu den Details – einem Türmchen mit glockenförmigem Dach, Fenstern unterschiedlicher Form und Größe, hölzernen Fensterläden und einem Medaillon mit figürlicher Malerei. Die Fassade mit strukturierter Putzoberfläche kontrastiert mit glatt verputzten, halbkreisförmig abgeschlossenen Flächen um die rechteckigen Fenster. Der Haupteingang mit vorgesetzter Treppe aus Kunststein befindet sich in einem halbzylindrischen Risalit mit glockenförmigem Dach in der Achse der nördlichen Straßenfassade. Das halbkreisförmig abgeschlossene Eingangsportal ist von Pilastern mit einem stilisierten Blattkapitell und einem rhombenförmigen Motiv im Feld eingefasst. Die einflügelige Holztür ist original erhalten, einschließlich des dekorativen Gitters. Ein ähnliches Gitter findet sich auch an den Kellerfenstern. Auch an der zur Gartenanlage ausgerichteten Südfassade tritt ein halbzylindrischer Risalit mit Attika-Aufstockung und Mansarddach hervor. Die Ostfassade schmückt ein ovales, bemaltes Medaillon mit dem Motiv einer tanzenden Frau. Besonders originell sind die authentischen Wasserableitungsrohre aus Kupfer mit einem handwerklich gearbeiteten Detail der Rinnentrichter. Die innere Raumaufteilung ist vollständig dem ungewöhnlichen „Schmetterlings“-Grundriss untergeordnet. Der „Körper“ ist das Vestibül mit dem Treppenhaus im halbzylindrischen Nordrisalit und einer achteckigen Halle, von der die Räume zugänglich sind, die die „Flügel“ bilden – im Osten des Erdgeschosses das Wohn- und Schlafzimmer, im Westen das Esszimmer und die Küche mit den zugehörigen Nebenräumen. Den „Kopf“ im Südrisalit bildet ein ovaler Salon im Erdgeschoss, der durch verglaste Zwischenwände mit dem Wohn- und dem Esszimmer verbunden ist. Sein Pendant im Dachgeschoss war das Arbeitszimmer des Architekten. Den restlichen Teil des Dachgeschosses nahm eine kleinere Wohnung ein.

Das Interieur ist nahezu vollständig erhalten, inklusive einer vertäfelten Decke, eines Kachelofens mit geschmiedeten Bronzetüren, einem Bleiglasfenster mit sitzender Frauenfigur oder den originalen Türfüllungen. Die unmittelbare Umgebung der Villa war ursprünglich als Parkanlage gestaltet – der von einer Ligusterhecke gesäumte Garten enthielt Blumenbeete, Trauerweiden und drei verschiedene Nadelbaumarten, die symmetrisch entlang des Randes angeordnet waren. Der Garten diente jedoch nicht der Erholung, sondern sollte in erster Linie das Erscheinungsbild und die Wirkung des an einem exponierten Standort gelegenen Hauses unterstreichen. Nach 1945 wurde das Haus unter nationale Verwaltung gestellt und ging anschließend in den Besitz mehrerer Privatpersonen über. In den 1960er Jahren wurde eine Garage errichtet, in den 1980er Jahren ein Gewächshaus.

Die Villa von Kalitta ist ein qualitativ hochwertiges Beispiel für eine Architektur, die vom Dekorativismus ausgeht und noch Elemente des vorkriegszeitlichen Neobiedermeiers verwendet. Gleichzeitig steht sie im Kontrast zu der sich damals bereits entwickelnden Architektur des Funktionalismus und der Neuen Sachlichkeit und zeugt von einem gewissen Konservatismus, nicht nur in Bezug auf den Schöpfer, sondern auch auf das damalige Troppau (Opava).

RR

Literatur

  • Romana Rosová – Martin Strakoš (eds.), Průvodce architekturou Opavy, Ostrava 2011, S. 98–99.
  • Vladimír Šlapeta – Jindřich Vybíral – Pavel Zatloukal, Opavská architektura let 1850–⁠1950, Umění 34, 1986, S. 229–243, zde s. 234.
  • Pavel Šopák, Vzdálené ohlasy. Moderní architektura českého Slezska ve středoevropském kontextu 2, Opava 2014, S. 212–213.
  • Jindřich Vybíral, Opavská architektura v letech 1918–⁠1929, Časopis Slezského muzea, série B – vědy historické, 35, 1986, S. 166–184, zde s. 173.
  • Jindřich Vybíral, Vlastní vila Hanse Kalitty, „Roztomilý domov“, in: Jindřich Vybíral (ed.), Slavné vily Moravskoslezského kraje, Praha 2008, S. 85–87.