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Diese Villa ließ sich der Maschinenbauingenieur und Fabrikdirektor Bruno Vogel in der bürgerlich geprägten Bebauung der heutigen Straße Gudrichova entwerfen und errichten. Es handelt sich um das erste bekannte realisierte Werk von Reichner, das sowohl sein Interesse an modern interpretierter Tradition belegt als auch seine Arbeit mit Symmetrie und mit der Schlichtheit der Neuen Sachlichkeit, unter Einsatz gleichermaßen romantisierender ornamentaler sowie expressionistischer Elemente.
Die zweistöckige gemauerte Villa mit einem Walmdach steht auf einem parkartig gestalteten Grundstück, das im Norden und Westen von der Gudrichova-Straße begrenzt und durch eine Bruchsteinmauer vom Straßenverkehr abgeschirmt ist. Der obere Teil der Mauer ist verputzt und mit einem Attikagesims versehen. Der verputzte Bereich ist rhythmisch durch Öffnungen mit gewölbten Karniesen und Metallgittern gegliedert. Ähnliche Öffnungen verwendete Reichner auch in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre beim Gebäude der Städtischen Sparkasse in Troppau (Opava) sowie in der ersten Hälfte der 1940er Jahre beim Repräsentationshaus im slowakischen Žilina.
An der abgeschrägten nordwestlichen Ecke der gemauerten Einfriedung der Vogel-Villa befindet sich im mittleren Bereich der rechteckige Haupteingang zur Villa und zum Garten, versehen mit einem pfeilartigen Attikagesims in Form eines Türsturzes und einem expressionistisch gestalteten Metallgitter. Der Eingang führt zu einer einläufigen Treppe und dem Haupteingang der Villa im Erdgeschossrisalit. Das Gebäude selbst, eingebettet in eine parkartige Gartenanlage, stellt die Verbindung eines traditionellen Hauses mit Fenstern und klassischem Dach mit einer lapidaren Lösung von Baukörpern und Formen dar, die auf die Prinzipien der deutschen Neuen Sachlichkeit zurückgehen. Das grundlegende Kompositionsprinzip beruht auf der traditionellen Dreiteilung des Baukörpers, mit einem schlichten Sockel als Basis. Den zweiten Teil bildet der eigentliche Baukörper des Erdgeschosses und des ersten Obergeschosses. Dieser ist durch relativ kleine, zweiteilige Fenster gegliedert und wird durch ein einfaches, horizontal rhythmisiertes Brüstungs- und Kranzgesims ergänzt. Die einzelnen Fassaden sind mit Blick auf eine symmetrische Anordnung der Öffnungen gestaltet. Am deutlichsten zeigt sich das im ersten Obergeschoss aller Fassaden. Das Gesamtbild findet seinen Abschluss durch eine dritte Sequenz in Form eines Walmdachs, das nachträglich mit Blech gedeckt wurde und durch prismatische Gauben sowie einen breiten gemauerten Schornstein mittig am höchsten Punkt ergänzt ist. Der rechteckige Grundriss des Hauses und seine volumetrische Komposition werden auf der Westseite durch einen prismatischen Risalit mit dem Haupteingang vervollständigt, auf der Nordseite durch einen Risalit mit Terrasse auf Höhe des Obergeschosses. Auf der Südseite erweitert ein symmetrisch angeordneter prismatischer Anbau den Baukörper des Hauses, er überdacht den Zugang zum Garten und die auf der Höhe des Erdgeschosses gelegene Terrasse. Die Raumaufteilung wird von einer zweigeschossigen Treppenhalle bestimmt, um die sich Wohn- und Wirtschaftsräume des Hauses gruppieren, zusammengefügt zu ineinandergreifenden Einheiten.
Der Bauherr B. Vogel floh mit seiner Familie vor den Nazis nach Großbritannien, da sein Leben und das seiner Angehörigen aufgrund seiner jüdischen Herkunft bedroht war, und kehrte nicht mehr zurück. Im Jahr 1962 wurde das Haus vom Staat zu einem Bürogebäude des Metrologischen Instituts umgebaut, das dort bis heute seinen Sitz hat. Trotz der Büronutzung ist im Inneren mit Holzvertäfelungen und Einbaumöbeln noch ein Teil der ursprünglichen Ausstattung erhalten geblieben.
MSt