Villa Olga

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Die Bebauung der Gudrichova-Straße am Gilschwitzer Hügel (Kylešovský kopec) begann erst nach 1918 im Zuge der Entwicklung des Villenviertels. Umgesetzt wurde sie nach dem Prinzip der Gartenstadt von zwei deutschen Baugenossenschaften und einer tschechischen. Während sich die Tschechen auf die Bebauung in den heutigen Straßen Tyršova, Zukalova, Boženy-Němcové und im nördlichen Teil der Mendlova konzentrierten, lag der Schwerpunkt der Deutschen im südlichen Abschnitt der Straße Mendlova, in der Bartoníčkova- und der Gudrichova-Gasse.

Der nördliche Teil der heutigen Gudrichova wurde mit Häusern für Staatsbedienstete nach Entwürfen des Landesbauamts bebaut (Gudrichova 3 und 6, 1921–⁠1922, 1924–⁠1926), außerdem mit Wohnhäusern für Angestellte des Verbands der tschechischen (land)wirtschaftlichen Genossenschaften, entworfen vom Baumeister Julius Vysloužil (Gudrichova 4, 1922). In der Folge entstanden hier Einfamilienhäuser und Villen, häufig ausgeführt von der Baufirma Julius Lundwall (z. B. Gudrichova 16, 18, 20, 22).

An der Ecke der Straßen Gudrichova und Bartoníčkova ließ sich Mitte der 1920er Jahre der Ingenieur Franz Koschatka (in Troppau/Opava geboren, zuvor in Kladno tätig) eine Villa errichten, die er nach seiner Ehefrau Olga benannte. Die Pläne von November 1925 und März 1926 sind mit dem Namen der Baufirma Alois Geldner signiert, doch da Alois Geldner bereits 1923 verstarb, muss der Verfasser bereits dessen Sohn Erich gewesen sein.

Das an die Vorkriegsmoderne anknüpfende Haus war für zwei Familien ausgelegt und hat den Charakter einer Mietvilla. In der ursprünglichen Anordnung befand sich auf jeder Etage eine eigenständige Dreizimmerwohnung mit Küche und zugehörigen Räumen, die sich rund um das Treppenhaus im Hofbereich gruppierten. Die Südfassade zum Garten hin wird durch einen zylindrischen Risalit betont, ein charakteristisches Merkmal von Geldners Wohngebäuden (ebenfalls eingesetzt etwa bei der Gebauer-Villa in der Straße Hradecká oder beim nicht realisierten Entwurf der Zohner-Villa), sowie durch eine Eckveranda mit darüberliegender Terrasse, über die man in den Garten gelangt. Der Haupteingang befand sich in einem zylindrischen Treppenrisalit auf der Nordseite. Die Raumaufteilung war in beiden Etagen identisch – aus dem Bereich des hufeisenförmigen Treppenhauses gelangte man zunächst in die Diele und von dort aus in die Halle. Westlich des Treppenhauses lagen die Nebenräume der Wohnung – Küche, Vorratskammer und ein Zimmer für das Dienstmädchen. Von der Diele bzw. Halle aus waren das Esszimmer, das Wohnzimmer im Südrisalit, das Schlafzimmer sowie das Badezimmer mit WC zugänglich. Im Souterrain befanden sich Lagerräume, ein Waschraum und ein Geräteraum für Gartenwerkzeuge.

In den 1970er Jahren wurde die Villa in einen Kindergarten umfunktioniert, im Jahr 2006 wieder zum Wohnhaus umgebaut, wobei es zu einer deutlichen Veränderung der ursprünglichen Raumaufteilung kam. Erhalten geblieben ist jedoch der ursprüngliche Zaun mit gemauerten Pfeilern, Sockeln und Metallfüllungen – an den Toren und Pforten komplett ausgefüllt, in den Zaunfeldern aus Maschendraht, mit dem gemeinsamen Motiv quadratischer Öffnungen und überkreuzter, genieteter Bänder. In der abgerundeten Ecke wurde ein rundes Fenster eingebrochen, das mit einer Öffnung in einem Pfeiler der Terrasse korrespondiert. Auf der nordöstlichen Seite wurde der Zaun nachträglich hinter die Grundstücksgrenze versetzt, um Parkplätze zu schaffen.

 

 

RR

Literatur

  • Romana Rosová – Martin Strakoš (eds.), Průvodce architekturou Opavy, Ostrava 2011, S. 97.
  • Jindřich Vybíral, Opavská architektura v letech 1918–⁠1929, Časopis Slezského muzea, série B – vědy historické, 35, 1986, S. 166–184, zde s. 169.