Zum Objekt
Die Troppauer Kaufleute Max Breda und David Weinstein wählten als Sitz ihres 1898 gegründeten Unternehmens ein Mietshaus der Genossenschaft der Troppauer Bierbrauer am damaligen Franz-Joseph-Platz 11 (heute Náměstí Republiky). Das Gebäude befand sich in prominenter Lage im neu entstehenden Handels- und Kommunikationszentrum am Rande des historischen Stadtkerns, in einem Bereich, in dem sich Troppau (Opava) allmählich in Richtung Jägerndorf (Krnov) und Olmütz (Olomouc) ausdehnte. Nach dem Abriss des Jaktarer Tors in den 1830er Jahren öffnete sich hier ein städtebaulicher Raum, der eine Verbindung zwischen Altstadt und Vorstadt ermöglichte. Seit dem 16. Jahrhundert befand sich an dieser Stelle eine Brauerei mit Mälzerei (im Bereich der heutigen Sparkasse), die im Jahr 1824 an die Stelle des ehemaligen Pestfriedhofs verlegt wurde. Der Platz, der bis zum Jahr 1877 als Heumarkt bezeichnet wurde, formte sich erst nach dem Abriss der Stadtmauern und des Tores heraus. Im Jahr 1847 wurde an seiner Nordseite eine Kaserne errichtet. In den 1860er und 1870er Jahren wurde der Platz mit drei- und vierstöckigen Wohnhäusern sowie mehreren öffentlichen Gebäuden bebaut – darunter die Städtische Sparkasse (1898–1901) und die Militärkommandantur (1908–1914).
Das ausgewählte Haus war dreistöckig und besaß eine schlichte klassizistische Fassade. Im Erdgeschoss befanden sich ein großer Geschäftsraum, Lagerflächen und eine Zweizimmerwohnung; weitere Wohnungen lagen in den beiden Obergeschossen. Das Geschäft Breda & Weinstein belegte zunächst nur den rechten Teil des Parterres, mit drei Schaufenstern und einem verglasten zweiflügeligen Eingang. Die Kaufleute mieteten das Haus zunächst nur an, bis sie es im Jahr 1911 kauften und ein Jahr später nach Plänen von Julius Lundwall umbauen ließen. Dabei erhielt das Haus ein viertes Stockwerk, das Innere wurde umgestaltet und im Hof ein vierstöckiger Anbau errichtet. Im Jahr 1917 kaufte David Weinstein (Max Breda war 1914 verstorben) das benachbarte Haus Nr. 9/10 dazu. Bereits zu diesem Zeitpunkt dachte er über einen größeren Umbau nach, der schließlich 1925 in Angriff genommen wurde. Anfangs plante Weinstein nur eine teilweise Anpassung des bestehenden Kaufhauses, für die der Ostrauer Baumeister František Grossmann Pläne erstellte. Letztendlich zeigte sich, dass das Gebäude den modernen Anforderungen nicht entsprach, und eine Verbesserung nur durch einen kompletten Umbau möglich war.
Den ersten Entwurf für den Gebäudekomplex mit Kaufhaus und Verwaltung der Troppauer Brauerei legte 1926 der Wiener Architekt Hugo Gorge vor. Obwohl sein Vorschlag Weinstein nicht zusagte, wurde zu diesem Zeitpunkt bereits das grundlegende Konzept mit funktionaler Raumaufteilung festgelegt, das im Wesentlichen nicht mehr verändert wurde. Das ältere Kaufhaus (Nr. 11) sollte größtenteils erhalten, aber um ein Stockwerk erhöht werden; an der Stelle des Hauses Nr. 9/10 sollte ein Neubau entstehen, der mit dem bestehenden Gebäude verbunden werden sollte. Diesen Ansatz verfolgte auch der Troppauer Architekt Otto Reichner im Februar 1927. Doch auch sein Entwurf wurde nicht angenommen. Denn David Weinstein stand zu dieser Zeit bereits in Kontakt mit dem Wiener Architekten und gebürtigen Jägerndorfer Leopold Bauer, mit dessen Werk er durch seine Mitgliedschaft in der Troppauer Handels- und Gewerbekammer (deren Gebäude Bauer 1906 entwarf) und im Verwaltungsrat des Priessnitz-Sanatoriums in Gräfenberg (Lázně Jeseník, nach Bauers Plänen 1908–1910 errichtet) bekannt war.
Leopold Bauer entwarf 1927 eines seiner bedeutendsten Werke. Trotz der damit verbundenen Komplikationen erfüllte er die Bedingung, Teile des alten Kaufhauses zu erhalten. Bis heute sind vier Geschosse des rechten Gebäudeteils erhalten, teilweise mit der ursprünglichen Raumaufteilung (Passage und angrenzende Räume, ursprünglicher Verkaufsraum im zweiten Untergeschoss mit Treppenhaus) sowie Details wie zwei Buntglasfenster im Erdgeschoss oder Regale im Keller. An diesen ursprünglichen Bau wurde auf dem Grundstück des abgerissenen Hauses Nr. 9/10 ein Stahlbetonskelett mit Mauerwerkausfachung angebaut.
Im fünfstöckigen Kaufhaus nahmen die Verkaufsflächen die ersten beiden Geschosse und eines der beiden Untergeschosse ein; in den oberen Etagen befanden sich Betriebsräume und eine Bekleidungsfabrik. Das Kernstück der Raumaufteilung bildete eine halbkreisförmige, zweigeschossige Halle mit einem monumentalen, halbkreisförmigen Treppenaufgang und einer Umlaufgalerie, die von einer Kuppel aus Stahlbetonrippen mit Glasbetonfüllung überdacht war. Zur Halle führte eine Passage vom Platz (teilweise wurde dabei die Passage genutzt, die bei dem Umbau im Jahr 1923 entstanden war) sowie ein diagonaler Korridor vom zweiten Eingang an der Ecke. Die Umlaufgalerie im Zwischengeschoss war von hölzernen Vitrinen gesäumt, die zur Präsentation von Kleinwaren bestimmt waren. Alle Geschosse waren offen, nur durch Stahlbetonsäulen unterteilt. Die einzelnen Geschosse waren durch das zentrale dreiläufige Haupttreppenhaus miteinander verbunden, ebenso durch ein Seitentreppenhaus von der Straße Pivovarská. Die unter der Kuppel gelegene Treppe erschloss lediglich das erste Untergeschoss, das Erdgeschoss und das Zwischengeschoss.
Die beiden Häuser wurden durch eine einheitliche Fassadenhülle verbunden. Im Gegensatz zum damals fortschrittlichen Funktionalismus verzichtete Bauer auf die Verglasung des Stahlbetonskeletts und „umhüllte“ es stattdessen mit einer massiven Verkleidung, gegliedert durch ein regelmäßiges Raster rechteckiger Fenster und unterteilt von Lisenen, die in ein rundbogiges Gesims übergingen. Das Erdgeschoss wurde durch große rechteckige Schaufenster gegliedert, über denen sich ein breiter Fries mit einer Firmenaufschrift erstreckte.
Der Bau dauerte von September 1927 bis Dezember 1928, die Innenraumgestaltung wurde noch in den Jahren 1929–1930 fortgesetzt. Mit der Bauleitung wurde Architekt Otto Reichner betraut, die Bauarbeiten führte die Firma von Erich Geldner aus, die Stahlbetonkonstruktionen lieferte die Firma Ed. Ast & Co. Das Gitter am Haupteingang fertigte Ludwig Blucha aus Troppau, die künstlerischen Glasfenster stammten von F. Lucke aus Gablonz an der Neiße (Jablonec nad Nisou) und von der Firma J. Lötz Witwe aus Klostermühle (Klášterský Mlýn). Der Betrieb des Kaufhauses wurde während der gesamten Bauzeit nicht unterbrochen.
Leopold Bauer schuf ein Bauwerk, das vom deutschen Expressionismus (Chilehaus von Fritz Höger in Hamburg) und der amerikanischen Architektur der sogenannten Chicagoer Schule (Bauten von Louis Sullivan) inspiriert war. Vom Historismus, den Bauer vor dem Ersten Weltkrieg bevorzugte, kehrte er zu einem einfacheren und zurückhaltenderen Ausdruck zurück, der auf Funktion und Konstruktion basierte. Die Ornamentik beschränkte er auf Details – den Brunnen und das Gitter in der Passage, die Bleiglasfenster sowie die Leuchtreklamen. Das Erscheinungsbild des Kaufhauses wurde von der amerikanischen Kultur geprägt, die zu jener Zeit als Symbol der Weltoffenheit galt.
In den Jahren 1959 bis 1964 wurde das Kaufhaus modernisiert und für den Einkauf in Form der freien Warenauswahl umgestaltet, was auch eine Anpassung der Raumaufteilung erforderlich machte. Im Erdgeschoss wurde der Bereich der Passage vertieft, an Stelle der alten Treppe hinter den Arkaden entstand eine neue dreiläufige Treppe mit Aufzug, verkleidet mit rumänischem Marmor. Die Geschäftsflächen wurden auf den dritten und vierten Stock erweitert, und alle Innenräume wurden im damals aktuellen „Brüsseler“ Stil gestaltet. Am hinteren Trakt wurde ein sechstes Geschoss angebaut. Weitere Umbauten erfolgten 1998, als das Kaufhaus trotz des Widerstands der Denkmalschützer durch eine Passage im Erdgeschoss und Durchgänge in den Obergeschossen mit der benachbarten Brauerei verbunden wurde. Nach einem Brand im Jahr 2004 wurde das Gebäude renoviert und 2012 geschlossen. Im Jahr 2024 kaufte es die Stadt Troppau, die eine Sanierung und die weitere Nutzung plant.
RR