Zeitraum

Bedeutende Objekte des Zeitraums

Zur Epoche 1918–1938

Die Ära der Ersten Tschechoslowakischen Republik zeigte sich in der Architektur auf dem Gebiet der Stadt Troppau durch den anhaltenden Einfluss des Zentrums Wien. Nach und nach wurde dieser durch die Bedeutung neuer kultureller Zentren überlagert, die mit der Entstehung der Republik und der Kultivierung einer zeitgenössischen architektonischen Kultur einhergingen. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Stadtführung von Troppau; einen gewissen Einfluss hatte Prag als Zentrum des neuen Staates. Brünn wiederum wirkte prägend vor allem als Hauptstadt des Landes Mähren-Schlesien, aber auch als bedeutendes mitteleuropäisches Zentrum moderner Architektur. Ein weiteres neu entstehendes Zentrum wurde das nahegelegene Mährisch Ostrau (heute ein Teil von Ostrava), eine aufstrebende Industriestadt mit erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung. Im Raum Troppau setzten sich in der Planung und Umsetzung sowohl einheimische Architekten (Karl Gottwald, Johann Kallita, Otto Reichner u. a.) und Bauunternehmer (Erich Geldner, Julius Lundwall, Julius Vysloužil u. a.) als auch Vertreter aus den genannten Zentren durch. Eine wichtige Rolle bei der Stadtentwicklung spielten außerdem die Planer des Landesamtes, des städtischen Bauamtes sowie natürlich auch private Unternehmer. An erster Stelle ist hier der Wiener Architekt Leopold Bauer zu nennen, gebürtig aus Jägerndorf (Krnov). Beide seiner bedeutenden Troppauer Bauten, das Kaufhaus Breda & Weinstein und die St. Hedwigskirche, entstanden in dieser Ära und sind zugleich prägende Werke seiner späten Schaffensphase. Von einem Wiener Umfeld geprägt war auch sein Sohn Harald, der in Troppau und im übrigen Schlesien einige kleinere Aufträge realisierte. Aus dem westlichen Teil der Tschechoslowakei waren im Troppau der Zwischenkriegszeit Architekten aus Prag (Gotthard Faika), Pilsen (Hanuš Zápal), Brünn (Miloslav Kopřiva) und Mährisch Ostrau (Lubomír und Čestmír Šlapeta) vertreten. Obwohl Troppau in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre seinen Status als Hauptstadt von Tschechoslowakisch-Schlesien an Brünn verlor, das 1928 Hauptstadt des Landes Mähren-Schlesien wurde, bewahrte die Stadt ihre bedeutende gesellschaftliche und kulturelle Position, vor allem für die hier ansässigen Deutschen. Innerhalb der deutschen Bevölkerung Nordmährens und Schlesiens nahm die Stadt eine ähnliche Stellung ein wie Reichenberg (Liberec) in Böhmen. Dies zeigte sich beim Bau neuer Schulgebäude und -anlagen, bei Umbauten und Anpassungen öffentlicher Gebäude und Plätze genauso wie im Bemühen, einen modernen Rahmen für die weitere städtebauliche und architektonische Entwicklung der Stadt zu schaffen. In diesem Zusammenhang dominierte hier eine eher konservativ ausgelegte Architektur des Neoklassizismus, des Heimatstils oder des Dekorativismus, während sich im Städtebau Prinzipien durchsetzten, die auf den Ideen der Gartenstadtbewegung beruhten.  Im historischen Stadtkern und in den Villenvierteln entstanden vereinzelte Beispiele der deutschen Neuen Sachlichkeit sowie des Funktionalismus, der charakteristisch für das tschechische Umfeld war und mit der Entstehung der tschechischen Eliten zusammenhing. Die dargestellten konservativen Ansätze bildeten auch die Basis für die architektonische Entwicklung in der anschließenden historischen Phase, bestimmt vor allem von der Besetzung Troppaus durch das nationalsozialistische Deutschland und die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs.

Karte der Bauten aus dem Zeitraum 1918–1938