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Das ursprünglich in eine Reihenbebauung eingefügte, zweistöckige Haus mit leicht trapezförmigem Grundriss und Pultdach stellt die zweite funktionalistische Realisierung in Troppau (Opava) dar, für die Lubomír Šlapeta (1908–1983) verantwortlich zeichnet, diesmal ohne seinen Bruder Čestmír.
Die Straßenfassade mit horizontalen Fenstern, dem Eingang und ursprünglich auch einer Garageneinfahrt – später zugemauert – ist bewusst zurückhaltend gestaltet und entspricht dem sogenannten weißen Funktionalismus und seiner Betonung rationaler Prinzipien. Im Erdgeschoss befand sich die Arztpraxis des Bauherrn Karel Martínek, die sich im rückwärtigen Trakt mit einem leicht abgeschrägten Wintergartenfenster zur japanisch gestalteten Gartenanlage mit Rundbecken erweitert. In der südöstlichen Ecke des Grundrisses befindet sich eine beeindruckende Spindeltreppe zum Obergeschoss. Von der Treppe aus verläuft die abgeschrägte Fassade des Obergeschosses, die auf Stahlstützen ruht. Durch ihren Überstand entsteht ein überdachter Gartenpavillon, der an den genannten japanisch gestalteten Garten angrenzt. Das Obergeschoss diente als Wohnung des Eigentümers; mit einer dynamisch gestalteten Wohnhalle, deren Decke als Segment in Form eines Tonnengewölbes aus verputztem Rabitzgewebe ausgeführt ist. Der Hallenraum öffnete sich durch Bandfenster zur Straße und zum Garten hin. An den erwähnten offenen Raum schlossen sich die Küche, das Schlafzimmer und das Kinderzimmer an; alle Räume waren mit Einbaumöbeln versehen.
Nach dem Anschluss Troppaus an das nationalsozialistische Deutschland zog die Eigentümerfamilie nach Olmütz (Olomouc) und ließ sich dauerhaft dort nieder. Das Erdgeschoss des Hauses wurde bis in die 1980er Jahre vom Kreisgesundheitsamt genutzt, das Obergeschoss war bewohnt. Nachträglich vorgenommene Eingriffe wie die Entfernung der Einbaumöbel im Wohnbereich oder der Abbruch des Gewölbes im Wohnzimmer wirken sich negativ aus.
Die Erhebung des Hauses zum Kulturdenkmal sicherte den Fortbestand, schließlich zeugt der Blick auf die Wohnbebauung der Umgebung eher von der Tendenz, ältere und kleinere Häuser durch große Häuser mit mehreren Wohnungen zu ersetzen.
Das Einfamilienhaus von Karel Martínek entstand parallel mit der Villa vom Notar Eduard Liska in Schlesisch Ostrau (Slezská Ostrava), die zu den markantesten Werken von Lubomír und Čestmír Šlapeta im Bereich der funktionalistischen organischen Architektur zählt. Ähnlich wie Liskas Villa verweist auch die Realisierung in Troppau-Katharein (Opava-Kateřinky) mit ihren Prinzipien – einem kontinuierlichen Raumkonzept, der Verbindung von Außen- und Innenraum, der Überwölbung der Wohnhalle mit einer Scheinkuppel sowie der Nutzung von Einbaumöbeln als raumgestaltendem Element – auf weitere Möglichkeiten und Trends, die Lubomír Šlapeta in seiner späteren Arbeit weiterentwickelte.
MSt