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Die dritte funktionalistische Villa in Troppau (Opava) von Lubomír und Čestmír Šlapeta ließ sich der Jurist Jaroslav Klimeš im nordöstlichen Teil der Villenbebauung am Gilschwitzer Hügel (Kylešovský kopec) errichten – inmitten von traditionell gestalteten Einfamilienhäusern und Villen mit Satteldächern, Walmdächern und Mansarddächern. In diesem Projekt kulminiert das Bestreben des Architektenduos, im konservativen und mehrheitlich deutsch geprägten Troppau eine funktionalistische Form des individuellen Wohnens für das städtische Bürgertum zu etablieren – sowohl innerhalb der tschechischen Minderheit als auch in der gesamten Stadtgesellschaft.
Das Haus, in dem die Brüder ihre in den beiden vorangegangenen Projekten gewonnenen Erkenntnisse synthetisch zusammenführten, befindet sich auf einem Grundstück zwischen traditionell gehaltenen Villen, die auf Parzellen mit kleinen Vorgärten stehen. In diesem Fall jedoch setzten die Architekten das Gebäude tiefer in den Garten und nutzten das Geländegefälle, indem sie den Bau oberhalb der Straße auf eine Terrasse platzierten, hervorgehoben durch eine Umfassungsmauer aus Stein. Die Mauer öffnet sich einerseits zum eingebetteten Treppenaufgang, der in den Garten und zum Haus führt und mit einem Metalltor versehen ist, andererseits – westlich der Treppe – zu einem rechteckigen Garagentor, das in den abfallenden Hang integriert ist. Mit dieser Lösung schufen die Architekten einen großzügigeren, parkähnlichen Vorgarten, wodurch sie einen prägnanteren Eingangsbereich zum Haus formten und das Gebäude gleichzeitig vom Straßenlärm abschirmten.
Die Villa selbst ist, ähnlich wie die beiden vorherigen Häuser, auf einem rechteckigen Grundriss konzipiert und in einer kubischen, schmucklosen Form mit Flachdach ausgeführt. Der Baukörper wird durch individuell gestaltete Fensterbänder und ein rundes Fenster gegliedert. An der Westseite befindet sich der Haupteingang mit einer Markise; an der Südseite zur rückwärtigen Gartenanlage hin ein eingeschossiger, konisch zulaufender Risalit mit Bandfenstern, auf dem sich auf Höhe des Obergeschosses eine Terrasse erstreckt, die an das Elternschlafzimmer anschließt. Die Nordfassade zur Straße hin wird durch die Bandfenster der Hauswirtschaftsräume gegliedert, während sich die Westfassade durch den Haupteingang öffnet, sowie durch ein daneben, näher bei der nordwestlichen Ecke befindliches rundes Fenster, das Einblick in den Wohnraum gewährt. Im Erdgeschoss des nördlichen Trakts befinden sich die Hauswirtschaftsräume einschließlich der Küche sowie die Treppe zum Obergeschoss. Im südlichen, zum Garten hin orientierten Trakt schließt im Erdgeschoss an die Küche das Esszimmer an; bei dem konisch zulaufenden Risalit befindet sich das große Wohnzimmer. Vom Esszimmer aus gelangt man auf die Gartenterrasse. Im Obergeschoss sind die Schlafzimmer zum Garten hin orientiert, während sich im nördlichen Teil wiederum die Hauswirtschaftsräume befinden.
Der vorliegende Haustyp fand im Schaffen der Gebrüder Šlapeta häufig Verwendung; in diesem Fall knüpften sie konkret an ihre Ausführung des Doppelhauses für Ingenieure der Tschechoslowakischen Stickstoffwerke im Ortsteil Marienberg (Mariánské Hory) des damaligen Mährisch Ostrau (Moravská Ostrava) aus den Jahren 1935–1936 an. Ihre Architektur ergänzten sie mit Einbaumöbeln und weiteren Elementen, womit ihre funktionalistischen Realisationen bemerkenswerte, ganzheitlich konzipierte Bauten darstellen, für die sie sowohl die Gebäudearchitektur als auch das Interieur und den Garten gestalteten. Das zeigt sich auch hier: An das Esszimmer schließt im Garten eine Terrasse mit Steinpflaster und einer Treppe an, die weiter in den Garten führt, in der Nähe befindet sich ein organisch gestalteter Gartenteich. Das Werk vereint damit rationalen Funktionalismus mit den Prinzipien der organischen Architektur und ist das herausragendste Beispiel dieses Trends in Troppau und Umgebung.
Die dramatische Entwicklung der Ortsgeschichte ging auch an diesem Bauwerk nicht spurlos vorüber. Die Familie musste aufgrund ihrer tschechischen Orientierung im Jahr 1940 das Haus verlassen. Jaroslav Klimeš war anschließend in Mährisch Ostrau tätig und konnte erst nach der Befreiung im Jahr 1945 zurückkehren. Im Übrigen verbrachte der Ostrauer Architekt Ivo Klimeš hier seine Kindheit und Jugend. Die Villa befindet sich bis heute in Familienbesitz.
MSt