Karl Gottwald

Lebenslauf

Liste der Bauwerke des Architekten:

- Tschechische Bürgerschule, Riegrova 1385/13, Opava-Předměstí, 1925–⁠1926

- Pavillon der Landes-Nervenheilanstalt, Olomoucká 305/88, Opava-Předměstí, 1928

- Pflegeschule und Pflegerinnenheim Franziscaneum, Sušilova 1751/1, Opava-Předměstí, 1928–⁠1930

- eigene Villa, Mendlova 1707/8, Opava-Předměstí, 1929–⁠1930

- Villa von Johann Fickert, Dostojevského 1669/12, Opava-Předměstí, 1929

- Wohnhaus von Humbert Ehrlich, Hradecká 1814/66, Opava-Předměstí, 1932

- Wohnhaus von Kuno Kothny, Hradecká 650/16, Opava-Předměstí, 1933

 

Karl Gottwald wurde in Freiwaldau (Jeseník, früher tsch. Frývaldov) geboren, in die Familie des Lebkuchenbäckers Franz Gottwald und seiner Frau Anna Gottwald, geb. Mildner. Seit 1896 besuchte er die Realschule in Troppau (Opava), die er 1904 abschloss. In den Jahren 1904–⁠1908 absolvierte er ein Architekturstudium mit Spezialisierung auf Hochbau an der Technischen Hochschule in Wien; zu seinen Lehrern gehörte unter anderem der Architekt Max von Ferstel. Nach dem einjährigen Militärdienst erhielt Karl Gottwald 1909 eine Stelle als Bauassistent im Bauamt der Landesregierung in Troppau, wo er bis zu dessen Auflösung im Jahr 1928 arbeitete und schrittweise vom Unterbeamten über den Posten als Landesingenieur bis hin zum obersten Landesbaurat (im Jahr 1926) aufstieg. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde er eingezogen, kämpfte an der serbischen und italienischen Front und war auch im Kriegsministerium tätig. Nach dem Krieg setzte er seine Karriere beim Landesbauamt fort, nun bereits in den Diensten der Tschechoslowakischen Republik. Im Jahr 1926 heiratete Karl Gottwald die Witwe Elsa Keilhauer, eine Tochter des chilenischen Diplomaten Juan Gonzales Matto. Nach der Auflösung des Landesbauamtes wurde Gottwald in den Vorruhestand versetzt, worauf er 1929 ein selbständiges Architekturbüro gründete. Nach dem Tod seiner ersten Frau im Jahr 1943 heiratete er 1944 Hildegard Bartel, die Witwe von Erich Bartel, dem jüngsten Sohn des Troppauer Baumeisters August Bartel.

Karl Gottwald war zeitlebens stark nationalistisch engagiert. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg war er Mitglied der Schutzvereine Nordmark und Deutscher Schulverein und trat nach dem Krieg den Nachfolgeorganisationen Bund der Deutschen und Deutscher Kulturverband bei. Er war zudem Mitglied der Deutschnationalen Partei (DNP), was seiner beruflichen Karriere offenbar schadete, denn 1928 wurde er pensioniert und nicht in den Dienst des neuerrichteten Landes Mähren-Schlesien übernommen. Nach der Auflösung der DNP blieb er parteilos, trat jedoch 1938 der Sudetendeutschen Partei und später der NSDAP bei, in der er sich jedoch nicht aktiv engagierte. Wann und wie er starb ist unklar, der letzte sichere Nachweis ist seine zweite Heirat am 20. Oktober 1944. Es ist wahrscheinlich, dass Gottwald Troppau während der angeordneten Evakuierung am 25. März 1945 verließ, weitere Informationen über sein Schicksal gibt es jedoch nicht.

Karl Gottwald plante sowohl als Beamte des Landesbauamtes wie auch als freischaffender Architekt zahlreiche realisierte und nicht-realisierte Bauwerke. Sein erstes bekanntes Projekt ist der Entwurf des Hauses der Eheleute Hohn in Karlsberg (Karlovec), 1913). Während der Zeit im Bauamt entstanden unter seiner Mitwirkung Pläne für die tschechische Bürgerschule in Troppau (1925–⁠1926), die tschechische Bürgerschule František Sokol Tůma für Jungen und Mädchen in Radwanitz (Radvanice, heute Teil von Ostrava, 1925–⁠1926), die Landesfachschule für Wirtschaft in Tschechisch-Teschen (Český Těšín, 1927–⁠1930) und die Ordenspflegeschule und das Pflegerinnenheim Franziscaneum in Troppau (1928–⁠1930), die er nach seinem Rückzug vom Bauamt fertigstellte. Nach 1918 übernahm er von Jindřich Freiwald die städtebauliche Planung für den Gilschwitzer Hügel (Kylešovský kopec) – ein Villenviertel, das auf den parzellierten Ländereien des Hofes des Fürsten Liechtenstein entstand. Als unabhängiger Projektant entwarf Gottwald kurz nach dem Krieg das nicht realisierte Gebäude eines Pavillons für Lungenkranke beim Troppauer Landeskrankenhaus. Später konzentrierte er sich hauptsächlich auf Wohnhausprojekte in Troppau wie die Villa von Johann Fickert in der Straße Dostojevského 12 (1929), seine eigene Villa in der Straße Mendlova 8 (1929–⁠1930), das Haus von Humbert Ehrlich in der Straße Hradecká 66 (1932) und die Umgestaltung des Hauses vom Chefarzt des Krankenhauses des Deutschen Ordens, Kuno Kothny, in der Straße Hradecká 16 (1933). Seine Tätigkeit umfasste außerdem kirchliche bzw. öffentliche Gebäude wie die Kirche des hl. Johannes des Täufers in Skrochowitz (Skrochovice, 1929–⁠1935), das Kloster der Barmherzigen Schwestern des hl. Franziskus in Hotzenplotz (Osoblaha, 1937), den Innenraum des Lesesaals der Stadtbibliothek in Troppau (1930, mit einem Fresko von Paul Gebauer) oder den Umbau des Troppauer Dominikanerklosters zum Stadtmuseum und Archiv (1944). In den Jahren 1933–⁠1938 führte er die Bauaufsicht beim Bau der St. Hedwigskirche in Troppau nach dem Entwurf von Leopold Bauer.

Die Bauten von Karl Gottwald, insbesondere jene, die während der Zeit am Landesbauamt entstanden, sind durch Konservatismus gekennzeichnet und entwickeln Traditionen des Barock, des Barockklassizismus und des Biedermeier weiter. Dagegen basiert sein selbstständiges Wirken einerseits auf einem von der mitteleuropäischen Architektur inspirierten Traditionalismus, andererseits auf dem schlesischen bzw. deutschen Heimatstil.

RR

Auswahl weiterer Werke

Außerhalb von Troppau realisierte Bauwerke:

- Ostrava-Radvanice, Vrchlického 401/5, Tschechische Bürgerschule für Jungen und Mädchen František Sokol Tůma, 1925–⁠1926

- Město Albrechtice, Nemocniční 184/2, Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern des hl. Karl Borromäus, 1928–⁠1931

- Skrochovice, Kirche des hl. Johannes des Täufers, 1929–⁠1935

- Hradec nad Moravicí, Zámecká 57, Umgestaltung des Klosters der Kongregation der Barmherzigen Schwestern des Dritten Ordens des hl. Franziskus, 1936

- Osoblaha, Kloster der Barmherzigen Schwestern des hl. Franziskus, 1937

Literatur

  • Romana Rosová – Martin Strakoš (eds.), Průvodce architekturou Opavy, Ostrava 2011, S. 327.
  • Martin Strakoš, Průvodce architekturou Ostravy, Ostrava 2009, S. 194 a 392.
  • Vladimír Šlapeta – Jindřich Vybíral – Pavel Zatloukal, Opavská architektura let 1850–⁠1950, Umění 34, 1986, S. 229–243.
  • Pavel Šopák, Architekt Karl Gottwald, in: Sborník Národního památkového ústavu v Ostravě 2003, S. 95–104.
  • Pavel Šopák, Vzdálené ohlasy. Moderní architektura českého Slezska ve středoevropském kontextu 1, Opava 2014.
  • Pavel Šopák, Vzdálené ohlasy. Moderní architektura českého Slezska ve středoevropském kontextu 2, Opava 2014.
  • Petr Tesař, Příspěvek k poznání osobnosti opavského architekta Ing. Karla Gottwalda, Časopis Slezského zemského muzea, série B – vědy historické, 59, 2010, S. 139–151.
  • Jindřich Vybíral, Opavská architektura v letech 1918–⁠1929, Časopis Slezského muzea, série B – vědy historické, 35, 1986, S. 166–184.
  • Jindřich Vybíral, Opavská architektura v letech 1930–⁠1938, Časopis Slezského muzea, série B – vědy historické, 36, 1987, S. 257–276.
  • Jindřich Vybíral, Opavští architekti a stavitelé v letech 1918–⁠1938, Časopis Slezského muzea, série B – vědy historické, 37, 1988, S. 258–265, zde s. 258.