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Die Betreuung psychisch Kranker wurde mit Beginn der Moderne zu einem wichtigen Teil der Medizin. Erstmals wurde anerkannt, dass auch ein psychisch kranker Mensch das Recht auf Pflege in einer angenehmen Umgebung hat, die zur Heilung beiträgt. Es entstanden Heilanstalten und Institute auf der Grundlage des Pavillonstils. Die Nervenheilanstalt in Troppau (Opava) beziehungsweise ihr ältester Teil wurde in den Jahren 1886–1889 am südwestlichen Stadtrand nach einem Entwurf von Waldemar Osterloff errichtet. Dieser Teil ist im Stil der Neorenaissance gehalten, mit einem Schwerpunkt auf einer rationalen städtebaulichen Anordnung. Die Anlage bestand aus zwölf spiegelbildlich angeordneten Pavillons (sechs auf der rechten Seite für Männer, sechs auf der linken Seite für Frauen) sowie einem palastartigen Verwaltungsgebäude am Eingang, einer Kapelle, einer Wäscherei, einer Küche und einem Pavillon für Infektionskrankheiten. Die Gebäude wurden in den Landschaftsgarten integriert, das gesamte Areal an das benachbarte Landeskrankenhaus angeschlossen. Zwischen den Jahren 1907 und 1914 wurde das Gelände nach Plänen von Adolf Müller erweitert und nach Nordwesten um mehrere Gebäude ergänzt: ein sogenanntes Siechenhaus für Männer (Pavillon Nr. XVIII), Pavillons für „unruhige Frauen und Männer“ (Nr. XIX, XX, XXI), ein Infektionspavillon und eine Küche. Durch die Erweiterung wurde der bis dahin streng symmetrische Grundriss aufgelockert, die Aufteilung in eine Männer- und eine Frauenseite blieb jedoch erhalten.
Zuletzt wurde in den Jahren 1926 und 1927 der „Pavillon für Unruhige“ (Nr. XXII) im nördlichsten Teil des Geländes des damaligen Schlesischen Instituts für Nervenheilkunde errichtet. Verantwortlich für die Planung war die Landesbaubehörde bzw. der dort tätige Architekt Karl Gottwald, der einen Entwurf im traditionalistischen Stil mit Elementen des deutschen Heimatstils vorlegte. Das zweistöckige Gebäude mit Walmdach hat einen L-förmigen Grundriss. Der Baukörper der Flügel wird durch flache Seitenrisalite geformt, markanter hervor tritt ein polygonaler Treppenhausrisalit mit dem Haupteingang, der mit einem pyramidenförmigen Dach bekrönt ist. Die Fassaden sind durch vertikale, zurückgesetzte Rahmen gegliedert, in die rechteckige Fenster eingesetzt sind; an der Vorderfassade des Hauptflügels durch halbrunde Bogenfenster. Der zweiachsige Eingangsrisalit umfasst einen Querflur, der ihn vom ebenfalls zweiachsigen Hauptflügel trennt, dessen breiter Gang zugleich als Aufenthaltsraum konzipiert war. Der Seitenflügel ist dreiachsig. Es sollte noch ein zweiter, spiegelbildlich gestalteter Pavillon entstehen, doch finanzielle Gründe und das Ende des Landes Schlesien (bzw. dessen Eingliederung in das neu konstituierte Land Mähren-Schlesien) verhinderten seine Realisierung.
RR