Villa von Walter und Herta Hawerland

Zum Objekt

Die ehemalige Hornygasse (nach 1918 Erasmus-Kreuzinger-Gasse, heute Heydukova) wurde im Jahr 1905 im Zuge der fortschreitenden Bebauung des Villenviertels auf dem Gilschwitzer Hügel (Kylešovský kopec), die von der heutigen Straße Tyršova ausging, neu trassiert. Bereits im Jahr 1902 war das Gebiet hinter der Tyršova-Straße zur Bebauung einschließlich der Regulierung des Straßennetzes vorgesehen. Drei Jahre später entstand die Hornygasse (Heydukova), die die Straße Hradecká mit der verlängerten Tyršova-Straße verband. Mit der Bebauung der Straße begann im Jahr 1911 die neu gegründete Arbeiter-, Bau- und Wohnungsgenossenschaft, die entlang der Straße einheitliche, relativ komfortable Doppelhäuser mit Dreizimmerwohnungen errichtete – bis zu diesem Zeitpunkt standen dort lediglich zwei Häuser.

Die Villa des Ehepaars Hawerland entstand erst Ende der 1930er Jahre am äußersten Rand des Villenviertels auf dem Gilschwitzer Hügel, am Übergang der Heydukova-Straße zur Hradecká. Der Troppauer Bauunternehmer Swedek plante das auf einem leichten Anhang gelegene Gebäude als zweistöckige Konstruktion mit erhöhtem Untergeschoss im vorderen Bereich. Das Haus ist von der Westseite über einen Eingang mit markanter Markise zugänglich. Die klare kubische Form des Gebäudes im Stil der Neuen Sachlichkeit wird nach Süden durch das Esszimmer mit einem Bandfenster weitergeführt. Das Esszimmer ragt aus dem Baukörper heraus und bildet die Basis für eine Terrasse im Obergeschoss, die durch den Überhang eines Pultdachs beschattet wird. Die innere Raumstruktur besteht aus zwei Achsen, im nördlichen Teil befindet sich die Treppenhalle, von der sowohl die südlichen Wohnräume als auch die Nebenräume neben dem Treppenhaus zugänglich waren. Das Gebäude ist ein bemerkenswertes Beispiel für die Beständigkeit von Formen der Neuen Sachlichkeit in einem Umfeld, das vom Aufkommen des Nationalsozialismus beeinflusst war.

 

RR

Literatur

  • Romana Rosová – Martin Strakoš (eds.), Průvodce architekturou Opavy, Ostrava 2011, S. 103.
  • Jindřich Vybíral, Opavská architektura v letech 1930–⁠1938, Časopis Slezského muzea, série B – vědy historické, 36, 1987, S. 257–276, zde s. 273.