Haus für die Angestellten des Verbandes der tschechischer (land)wirtschaftlichen Genossenschaften

Zum Objekt

Der Verband der tschechischen (land)wirtschaftlichen Genossenschaften im Herzogtum Schlesien (Jednota českých hospodářských společenstev ve vévodství Slezském) wurde im April 1901 mit dem Ziel ins Leben gerufen, durch die Unterstützung ihrer Mitglieder die wirtschaftliche Entwicklung der Region zu fördern. Mitglieder werden konnten vor allem landwirtschaftliche Genossenschaften, aber auch natürliche Personen. An der Spitze des Verbands stand bis zum Jahr 1924 der Troppauer Rechtsanwalt Antonín Mlčoch. Der Verband sorgte für den Verkauf der Produkte seiner Mitglieder, insbesondere Getreide, aber auch für den Einkauf notwendiger Güter. Außerdem erfüllte er einen Bildungsauftrag, indem er Fachberatung leistete, Vorträge organisierte sowie Buchhaltungskurse anbot. Auch als Spar- und Kreditgenossenschaft fungierte er. Der erste Hauptsitz des Verbands befand sich im Palais Rolsberg in der Straße Tyršova 3, in den Jahren 1911–⁠1920 in der Straße Olbrichova und schließlich in der Villa Beyer in der Straße Hradecká 1.

Neben dem gewählten Vorstand verfügte der Verband auch über einen eigenen Verwaltungsapparat. Speziell für seine Mitarbeiter ließ er im Jahr 1922 ein Wohnhaus errichten, das nach dem Entwurf des Troppauer Baumeisters Julius Vysloužil gestaltet wurde. Für den Bau konnte ein Grundstück von dem enteigneten und parzellierten Hof des Fürsten Liechtenstein im damals entstehenden Wohnviertel auf dem Gilschwitzer Hügel (Kylešovský kopec) erworben werden. Das Haus entstand in der Straße Gudrichova in der Umgebung von Häusern, die damals für Staatsangestellte gebaut wurden.

Das im Stil eines klassizistischen Dekorativismus gestaltete Gebäude ist symmetrisch geformt, die Fassade zur Straße Gudrichova wird durch einen markanten Mittelrisalit mit polygonalen Erkern betont, die von kannelierten Pilastern getragen werden. Die Fassade zum Garten hin arbeitet mit einer massiven, siebenachsigen Gaube mit einer hervorgehobenen Mittelpartie, deren Fenster das bewohnbare Dachgeschoss mit Licht durchfluten und so für viel Helligkeit sorgen. Das Ganze wird von einem massiven Walmdach abgeschlossen. Der Grundriss des Hauses ist symmetrisch, mit einem mittigen Flur mit Treppe, an dessen Seiten sich Wohnungen mit Loggien befinden, die durch große, segmentbogig abgeschlossene (ursprünglich offene) Öffnungen belichtet werden. Die Stuckverzierung der Fassade mit Vasen und Putti verleiht dem Objekt ein romantisches Erscheinungsbild.

Das Haus hat den Charakter einer Mietvilla und gleicht in seinem Erscheinungsbild den umliegenden Villen. Das Gebäude erfuhr später verschiedene Umbauten: die Loggien wurden verglast und das Dachgeschoss durch neue Fenster im Giebel aufgehellt. Der Anbau polygonaler Erker machte eine Anpassung der Erkerdächer erforderlich, zudem wurde eine Dachterrasse zur Gartenseite hin eingerichtet.  Von dem ursprünglichen Zaun haben sich die gemauerten Pfeiler erhalten, die Holzfelder wurden erneuert.

 

RR

Literatur

  • Romana Rosová – Martin Strakoš (eds.), Průvodce architekturou Opavy, Ostrava 2011, S. 94.
  • Jindřich Vybíral, Opavská architektura v letech 1918–⁠1929, Časopis Slezského muzea, série B – vědy historické, 35, 1986, S. 166–184, zde s. 168.