Lubomír a Čestmír Šlapetovi

Lebenslauf

Liste des Bauwerke des Architekten:

- Villa von Radim Hess, Englišova 1943/45, Opava-Předměstí, Projekt von Lubomír und Čestmír Šlapeta, 1934–⁠1935

- Geburtshaus mit Arztpraxis von Karel Martínek, Rolnická 699/1a, Opava-Kateřinky, Projekt von Lubomír Šlapeta, 1935–⁠1936

- Villa von Jaroslav Klimeš, B. Němcové 1997/16a, Opava-Předměstí, Projekt von Lubomír Šlapeta, 1936

 

Lubomír Šlapeta war Architekt, Möbeldesigner und Stadtplaner. Zusammen mit seinem Bruder Čestmír studierte er an der Staatlichen Gewerbeschule Brünn und anschließend von 1928 bis 1930 an der Akademie der Bildenden Künste in Breslau bei Hans Scharoun und Adolf Rading. 1930–⁠1931 unternahmen Lubomír und Čestmír Šlapeta eine Studienreise nach Frankreich und in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo sie sich mit dem Werk von Frank L. Wright vertraut machten. Nach ihrer Rückkehr gründeten sie das Studio Akademičtí architekti Šlapetové (Akademische Architekten Šlapeta). Zunächst unterhielten sie Niederlassungen in Prag und Mährisch Ostrau (Moravská Ostrava, heute Teil von Ostrava); schlossen jedoch 1933 das Prager Büro und arbeiteten bis 1936 gemeinsam im Atelier in Mährisch Ostrau. Später zog Lubomír Šlapeta nach Olmütz (Olomouc) um, wo er im September 1936 sein eigenes Atelier eröffnete und 1937 auch eine Familie gründete.

Čestmír Šlapeta heiratete 1936 und blieb in Mährisch Ostrau, wo er als Architekt tätig war und bei mehreren Projekten mit seinem Bruder kooperierte. Ende der 1940er Jahre musste er dem Unternehmen Stavoprojekt in Ostrau (Ostrava) beitreten; nach Auseinandersetzungen mit der kommunistischen Unternehmensleitung (insbesondere im Zusammenhang mit dem Ausbau des Hotels Ostrava) wurde er in den 1950er Jahren gezwungen, den Architektenberuf aufzugeben. In der Folge arbeitete er als Akustiker und emigrierte in den 1960er Jahren nach Westdeutschland.

Lubomír Šlapeta war seit 1936 als Architekt in Olmütz und anderen Städten wie Prerau (Přerov) oder Rosenau (Rožnov pod Radhoštěm) tätig. Er zählte zu den Gründungsmitgliedern der Palacký-Universität in Olmütz, die er jedoch nach dem kommunistischen Umsturz im Februar 1948 verlassen musste. In der Folge arbeitete er freiberuflich, bis er in den 1950er Jahren aus dem Architektenverband ausgeschlossen wurde, was seine berufliche Tätigkeit erheblich erschwerte. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre arbeitete er kurzzeitig im Westberliner Atelier seines Lehrers, des Architekten Hans Scharoun.

Das schöpferische Schaffen beider Brüder erreichte seinen Höhepunkt in den 1930er Jahren, als sie die Prinzipien des Funktionalismus sowohl in seiner rationalen Form als auch im Verständnis der organischen Architektur weiterentwickelten. Dies zeigt sich sowohl an den frühen Bauwerken des privaten Wohnens in Mistek (Místek, heute Teil von Frýdek-Místek) als auch in den anspruchsvolleren Umsetzungen von Einfamilienhäusern und Villen in Ostrau, Hultschin (Hlučín), Friedland an der Ostrawitza (Frýdlant nad Ostravicí) und anderen Orten. Das markanteste Bauwerk aus dieser Zeit ist die funktionalistische Villa des Juristen Eduard Liska in Schlesisch Ostrau (Slezská Ostrava, heute Teil von Ostrava, Čedičová 1406/8, 1935–⁠1936) – ein Beispiel für die Verbindung einer rationalen Komposition mit einer organisch gestalteten Raumlösung. Das Haus mit seiner markanten Fassadenfront, gegliedert durch ein Bandfenster, und mit einem Wintergarten an der südlichen Ecke, befindet sich in einem komponierten Garten mit einem Steingarten und einem nierenförmigen Teich am Hang an dem Fluss Ostrawitza (Ostravice).

Eine Vielzahl von Werken der beiden Architekten wurde jedoch nicht realisiert. Dies betrifft beispielsweise das gemeinsame Projekt eines funktionalistischen Volksbildungshauses für Mährisch Ostrau mit Hotel und Konzertsaal aus dem Jahr 1938. Lubomír Šlapeta entwarf u. a. das nicht realisierte Projekt des Volksbildungshauses mit Theater für Freiwaldau (Jeseník, früher tsch. Frývaldov, 1946), das nicht realisierte Projekt des Theaters für Kremsier (Kroměříž, 1947–⁠1953) oder zusammen mit Čestmír das nicht realisierte Projekt des Theaters für Tschechisch Teschen (Český Těšín, 1948). Zwischen 1948 und 1953 planten die beiden Brüder gemeinsam einen Anbau für das Hotel Imperial in Ostrau, das damals in Hotel Ostrava umbenannt wurde. Nach Kritik durch die stalinistische Leitung von Stavoprojekt wurde der Entwurf jedoch vom Architekten Zdeněk Alexa im Sinne des Sozialistischen Realismus überarbeitet. In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre entwarf Lubomír Šlapeta die Umgestaltung der Innenräume des Kaufhauses Ostravica (ehemals Textilia) in Ostrau. Weiterhin plante er Einfamilienhäuser, Theater, Volksbildungshäuser und Inneneinrichtungen. In den 1970er Jahren legte er einen Entwurf für den Umbau des Sitzes der Staatlichen Wissenschaftlichen Bibliothek in Olmütz vor (nicht realisiert). Zu seinen Spätwerken zählt die Pfarrkirche des hl. Nikolaus in Tichau (Tichá) bei Frankstadt (Frenštát pod Radhoštěm), wobei er sich mit dem Thema des heiligen Raums auf der Basis der Grundsätze des Zweiten Vatikanischen Konzils befasste. Der Wettbewerb für den Kirchenneubau fand in den Jahren 1966–⁠1967 statt, die Errichtung der Kirche in Tichau erfolgte in den Jahren 1968–⁠1976. Anschließend widmete sich Lubomír Šlapeta bis zu seinem Tod der Anpassung sakraler Objekte und Räume nach den neuen liturgischen Prinzipien.

Die Gebrüder Šlapeta waren insbesondere in den 1930er und 1940er Jahren führende Vertreter der modernen Architektur in Mähren und Schlesien, die sich in ihrer Arbeit zwischen Rationalität und den organischen Tendenzen des Funktionalismus bewegten. Gleichzeitig hatte ihr Werk einen bedeutenden Einfluss auf die Entstehung einer modernen Architekturkultur in der damaligen Tschechoslowakei, da es einen weitreichenden Einfluss hatte und Strömungen der damaligen Zentren der architektonischen Entwicklung aufgriff und reflektierte. Während des späteren kommunistischen Regimes wurden beide Autoren an den Rand des Architekturgeschehens gedrängt. Sie durften nicht mehr publizieren und während Čestmír Šlapeta sich mit Akustik befassen musste, wurde Lubomír Šlapeta in den 1950er Jahren aus der Architektenvereinigung ausgeschlossen. Dennoch gelang es ihm auch unter diesen Umständen, Gebäude zu entwerfen, die die Architektur in einem breiteren europäischen Kontext widerspiegelten, wie die Realisierung der Kirche des hl. Nikolaus in Tichau beweist. Šlapeta pflegte nämlich rege Beziehungen zum westeuropäischen Umfeld. Unter anderem arbeitete er von 1966 bis 1970 im Westberliner Atelier seines Lehrers, des Architekten Hans Scharoun.

MSt

Auswahl weiterer Werke

Außerhalb von Troppau realisierte Bauwerke:

- Frýdek-Místek, Kolaříkova 578, 582, Doppelhaus von B. Konečný und J. Paleček, Lubomír und Čestmír Šlapeta, 1931

- Rožnov pod Radhoštěm, Javornická 688, Villa von J. Žanta, Lubomír Šlapeta, 1932

- Frýdek-Místek, Lidická 644, Villa von Alois Macourek, Lubomír Šlapeta, 1932–⁠1933

- Příbor-Klokočov, Boženy Němcové 1237, Einfamilienhaus von Josef Kotouček, Lubomír und Čestmír Šlapeta, 1932–⁠1933

- Příbor, Šmeralova 716, Doppelhaus von Robert Schön und R. Hild, Lubomír und Čestmír Šlapeta, 1933

- Rožnov pod Radhoštěm, Slezská 703, Wochenendhaus von Josef Vondráček, Lubomír und Čestmír Šlapeta, 1933

- Valašské Meziříčí, Šafaříkova 741/11, Einfamilienhaus von Richard Chumchal und F. Nožička, Lubomír und Čestmír Šlapeta, 1933–⁠1934

- Hlučín, Československé armády 762/10, Villa von František und Anežka Kremer, Lubomír Šlapeta, 1933–⁠1934

- Ostrava – Slezská Ostrava, Bukovanského 1356/23, Villa von Karel Urbánek, Lubomír Šlapeta, 1933–⁠1934, umgebaut

- Ostravice 883, Einfamilienhaus von Jarmila Pěničková und Jaromír Rybák, Lubomír und Čestmír Šlapeta, 1935

- Ostrava – Slezská Ostrava, Čedičová 1406/8, Villa von Eduard Liska, Lubomír und Čestmír Šlapeta,1935–⁠1936

- Ostrava – Slezská Ostrava, Čedičová 1407/14, Einfamilienhaus von Oldřich Hrstka, Lubomír Šlapeta, 1936, umgebaut

- Olomouc, Polívkova 625/35, Villa von S. Nakládal, Lubomír Šlapeta, 1936

- Olomouc, Na Vozovce 638/33, Mietsvilla von František und Ludmila Kousalík, Lubomír Šlapeta, 1936–⁠1937

- Rožnov pod Radhoštěm, Dolní Paseky 717, Wochenendhaus von Jan und Zenobia Vítěz, Lubomír Šlapeta, 1936–⁠1937

- Luhačovice, Josefa Černíka 593, Villa von Jan Koudelka, Lubomír Šlapeta, 1939

- Olomouc, Skřivánčí 679/23, Einfamilienhaus von Jan Mišauer, Lubomír Šlapeta, 1939, umgebaut

- Frýdlandt nad Ostravicí, Harcovská 657, Villa von Jan Alstern, Lubomír Šlapeta, 1939–⁠1940, umgebaut

- Přerov I-Město, Sadová 2393/8, Villa von Marie Andrášková, Lubomír Šlapeta, 1940–⁠1942

Literatur

  • Romana Rosová – Martin Strakoš (eds.), Průvodce architekturou Opavy, Ostrava 2011, S. 336 a 353.
  • Martin Strakoš, Průvodce architekturou Ostravy, Ostrava 2009, S. 403–404 a 423–424.
  • Vladimír Šlapeta – Václav Jandáček, Stavební kniha 2004. Český funkcionalismus, Brno 2004.
  • Jindřich Vybíral, Vlastní vila Viktora Bartela (Soví hrádek), in: Jindřich Vybíral (ed.), Slavné vily Moravskoslezského kraje, Praha 2008, S. 108-121 a 131-149.
  • Pavel Zatloukal a kol. Lubomír Šlapeta (1908–⁠1983) – Čestmír Šlapeta (1908–⁠1999). Architektonické dílo / Architectural Work, Olomouc 2003.