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Die Waffelfabrik der Troppauer Familie Fiedor (gegründet im Jahr 1840) entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Straße Olomoucká, deren Verlauf der historischen Straße nach Olmütz (Olomouc) entspricht. Das Umgebung der Hauptverkehrsstraße der Jaktarer Vorstadt (Jaktařské předměstí) durchlief nach 1872 eine starke Urbanisierung, als der Bahnhof der Zentralbahn (heute Opava západ) entstand, der Troppau (Opava) mit Jägerndorf (Krnov), Freudenthal (Bruntál) und Olmütz verband. Es entstanden dort nicht nur wichtige öffentliche Gebäude (Justizpalast, Landeskrankenhaus, Nervenheilanstalt), sondern auch zahlreiche repräsentative Häuser, überwiegend im Stil des Historismus und des Jugendstils. Die Straße war eine sogenannte „gute Adresse“. Bereits 1905 wurde sie von einer elektrischen Straßenbahn bedient, und bedeutende Troppauer Persönlichkeiten (wie der Bauunternehmer A. Geldner, der Maler A. Zdrazila, der Direktor des Landeskrankenhauses F. Pendl) ließen sich hier Häuser errichten.
Eines der Gebäude – das Haus der Marie Polatzek am Beginn der Straße Olomoucká mit der damaligen Hausnummer 8 – kaufte im Jahr 1901 Theodor Fiedors Witwe Marie. Sie plante eine Erweiterung der Waffelproduktion und benötigte einen Ersatz für die bestehende Fabrik in der Straße Masařská, die bereits nicht mehr ausreichte. Das Haus, zu dem ein großer Hof und ein Garten gehörten, wurde abgerissen; an seiner Stelle entstand in den Jahren 1901–1902 nach einem Entwurf der Troppauer Baufirma Zdralek und Kulka ein neues, dreiflügeliges Fabrikgebäude mit einer Jugendstil-Fassade. Während die Seitenflügel Betriebsräume beherbergten, war das Erdgeschoss des Straßenflügels für repräsentative Geschäftsräume reserviert, das Obergeschoss diente als Wohnraum.
Im Verlauf des ersten Viertels des 20. Jahrhunderts wurde die Fabrik mehrfach umgebaut und erweitert. Zu den wichtigsten gehörte die Erweiterung des Areals im Jahr 1913 um zwei parallel verlaufende, mehrstöckige Flügel zur Straße Provaznická hin. In den Jahren 1922–1923 erfolgte die Anpassung des Kellers für die Schokoladenproduktion, der Anbau eines dreistöckigen Seitenflügels an der Straße Provaznická und die Aufstockung um ein Stockwerk im linken Trakt nach Plänen des Troppauer Architekten Erwin Friedel. Er plante auch die Aufstockung des Wohnhauses um ein drittes Stockwerk im Jahr 1927.
Den umfangreichen Umbau des Wohn-, Geschäfts- und Verwaltungsgebäudes, das baulich und räumlich mit weiteren Fabrikgebäuden verbunden war, plante der damalige Eigentümer des Unternehmens Oskar Fiedor Anfang der 1930er Jahre. Aus den erhaltenen Plänen für das erste Stockwerk und das Dachgeschoss von 1931 wissen wir, dass zunächst Leopold Bauer (1872–1938) beauftragt wurde. Der zu dieser Zeit schon sehr bekannte Wiener Architekt, der aus Jägerndorf stammte, hatte bereits zwei Projekte in Troppau realisiert: das Gebäude der Handels- und Gewerbekammer und das Kaufhaus Breda & Weinstein. Bauers Entwurf wurde jedoch nicht umgesetzt, und Fiedor wandte sich an den Jägerndorfer Architekten Oskar Wittek (1906–?), der eine Modernisierung im Sinne der Neuen Sachlichkeit vorschlug. Das ursprüngliche dreigeschossige Reihenhaus wurde um ein viertes Geschoss mit Stahlbetonkonstruktion ergänzt und durch eine neue, mit dunklem und hellem Travertin verkleidete Fassade vereinheitlicht. Die glatte Fassade mit 13 Fensterachsen, deren Gestaltung teilweise auf die Gliederung der älteren Fassade Bezug nimmt, wird links durch einen kaskadenartig abgestuften, auskragenden prismatischen Erker akzentuiert. Zusammen mit dem Anbau an der rechten Seite balanciert er die horizontale Gestaltung der Fassade aus. Der Erker bildet zugleich den point de vue aus der Blickachse der Straße Čapkova. Das Gebäude durchbrach mit seinem orthogonal-geometrischen Ausdruck mit glatten Fassadenflächen und durch den überhöhten Baukörper den bis dahin einheitlichen Charakter der Straßenbebauung.
Die Gebäudestruktur auf rechteckigem Grundriss ist dreiachsig mit mittigem Flur, zwei Treppenhäusern und Aufzug. Im Erdgeschoss lagen Geschäftsräume, das erste und zweite Stockwerk waren aufgeteilt in einen linken Teil mit Büros und einen rechten mit zwei luxuriösen Wohnungen. Abweichend von der traditionellen Raumaufteilung des älteren Gebäudes verfügte die modern gestaltete Wohnung im zweiten Stock über eine Wohnhalle mit offener Verbindung zur Diele, von der aus man in den Hauptraum gelangte. Zur Halle gehörte ein Wintergarten, abgetrennt durch eine Glaswand. Die Wohnung hatte ein luxuriöses Bad, das sowohl vom Schlafzimmer als auch vom Flur zugänglich war. Erhalten blieb auch eine dekorative Heizkörperverkleidung in Form eines Kamins mit Reliefs von dem bedeutenden schlesischen Bildhauer Josef Obeth. Sie zeigen Szenen aus dem Märchen Hänsel und Gretel, Allegorien der Versuchung und der Maßlosigkeit sowie Motive mit Bezug zur Firmenproduktion (Teigkneten, Waffelbacken). Ein Teil der Innenräume, in denen Art déco mit Neuer Sachlichkeit kombiniert wurde, ist bis heute erhalten geblieben (z. B. die Wohnung im zweiten Stock einschließlich der Badezimmereinrichtung). Andere Teile der Innenräume einschließlich der Raumaufteilung wurden durch spätere zweckmäßige Umbauten beeinträchtigt.
RR