Oskar Wittek

Lebenslauf

Liste der Bauwerke des Architekten:

- Wohn- und Kaufhaus der Firma Theodor Fiedor, Olomoucká 9/8, Opava-Předměstí, 1932

 

Oskar Friedrich Wittek wurde in Jägerndorf (Krnov) geboren und war der Sohn von Edmund Wittek, dem Direktor einer Bürgerschule und späteren Bezirksschulinspektor, und seiner Frau Maria Wittek. Sein älterer Bruder war der Journalist und Schriftsteller Bruno Hans Wittek (1895–⁠1935). Oskar Wittek studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien beim führenden Vertreter des architektonischen Expressionismus im Zwischenkriegs-Wien, Clemens Holzmeister, den er später während dessen Tätigkeit an der Akademie in Düsseldorf auch kurzzeitig (1928–⁠1930) als Assistent unterstützte. Um das Jahr 1930 ließ sich Wittek in Jägerndorf nieder, wo er ein Architekturbüro betrieb. Ab 1930 arbeitete er in Zerbst in Deutschland an der Anhaltischen Bauschule. Im Jahr 1936 heiratete er in Krautenwalde (Travná) Helmtraude Obeth, die Tochter des bedeutenden schlesischen Bildhauers Josef Obeth.

Aus seinem Werk sind nur vereinzelte Entwürfe und Ausführungen bekannt. Für Jägerndorf legte Wittek einen Entwurf für eine Tuchfabrik vor, den er 1929 in der Zeitschrift Moderne Bauformen veröffentlichte (nicht realisiert), ferner entwarf er das von der mediterranen Architektur inspirierte Haus von Leopoldine Mildner in der Straße Žižkova (1935). Zu dieser Zeit pflegte er auch Kontakte zu Troppau (Opava) und wurde Mitglied der Vereinigung bildender Künstler Schlesiens, die 1926 vom Maler Adolf Zdrazila gegründet wurde. Im Jahr 1930 verfertigte Wittek im Auftrag des Bürgermeisters Ernst Franz eine Studie für ein städtisches Repräsentationsgebäude für die Stadt Troppau. In ihrer Modernität und dem expressiven Umgang mit der Baukörpergestaltung setzte sie sich gegen die Entwürfe von Leopold Bauer und Otto Reichner durch, auch wenn das Repräsentationsgebäude letztlich nicht verwirklicht wurde. Witteks einziges verwirklichtes Bauwerk in Troppau und zugleich seine bedeutendste bekannte Realisation ist das Verwaltungs- und Wohngebäude der Firma Fiedor (1932), das im Geiste der Neuen Sachlichkeit das bereits in der Studie für das städtische Repräsentationsgebäude verwendete Erker-Element wieder aufgriff.

Von Witteks realisierten Projekten sind nur sehr wenige bekannt. Außer der bereits erwähnten Villa in Jägerndorf und dem Wohn- und Geschäftshaus Fiedor in Troppau zählen dazu die evangelische Kirche in Kronsdorf (Krasov, 1935) und die Kapelle auf dem Alten Rautenberg (Velký Roudný, 1933). Außerdem entwarf Wittek 1936 in Kooperation mit dem Bildhauer Josef Obeth ein Denkmal für die drei schlesischen Künstler Eduard Schön Engelsberg, Bruno Hans Wittek und Viktor Emanuel Heeger auf dem Burgberg (Cvilín) bei Jägerndorf. Neben dem Repräsentationsgebäude in Troppau gibt es eine Reihe von weiteren Projekten, die nicht realisiert wurden: ein Entwurf für ein Theater und die Gestaltung eines Platzes in Jägerndorf (1926), eine Studie zur Stadterweiterung ebendort, ein Entwurf für einen Kurpavillon (Trinkhalle) in Baden (1927, 2. Preis im Architektenwettbewerb), der Entwurf für die St. Hedwigskirche und ein Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs auf dem Hedwigsplatz in Troppau (1931–⁠1932, 2. Platz im Wettbewerb) und ein Komplex von Wochenendhäusern in Mösnig (Ježník, 1935). Witteks Schaffen war anfänglich von den Werken C. Holzmeisters inspiriert und zeichnete sich durch eine Synthese expressiver Ausdruckskraft und der Schlichtheit der Neuen Sachlichkeit mit neoromantischen Motiven und Elementen des Art déco aus.

Wittek war auch ein begabter Zeichner und stellte seine Entwürfe und Studien oft aus. Mit dem Troppauer Kunstverein nahm er 1929 an Ausstellungen im Haus der Künste in Ostrau (Ostrava) und 1930 im Landesmuseum in Troppau teil; 1936 stellte er mit dem Schlesischen Künstlerverein in Freiwaldau (Jeseník, früher tsch. Frývaldov) aus. Ende der 1930er Jahre wurde Wittek Mitglied im Bund der Deutschen, der für eine nationalistische Kulturpolitik und den Schutz des Heimatlandes eintrat.

Zu dieser Zeit ist in seinem Werk eine Abwendung vom bisherigen Stil der Neuen Sachlichkeit und des Expressionismus zugunsten der in Deutschland vorherrschenden nationalsozialistischen Architektur erkennbar. Wittek setzte nun auf Richtungen wie den Monumentalstil (Entwurf der Gedenkhalle für Hans Kudlich in Lobenstein – Úvalno, 1944) und den Historismus (Entwurf für den Umbau des Rathauses in Troppau, 1939, 3. Platz im Wettbewerb); außerdem widmete er sich der Stadtplanung (Gestaltung des Marktplatzes in Mährisch Trübau – Moravská Třebová, 1940). In den 1950er und 1960er Jahren arbeitete er im österreichischen Mittelberg sowie im bayerischen Füssen, wo er das Zächerlhaus rekonstruierte sowie eine Kirche (1963–⁠1966) und ein Kino errichtete.

 

RR

Auswahl weiterer Werke

Außerhalb von Troppau realisierte Bauwerke:

- Krnov, Žižkova 20 – Villa von Leopoldine Mildner (1935)

- Krasov – evangelische Kirche (um 1935)

- Velký Roudný – Kapelle (1933)

Quellen

  • Zemský archiv v Opavě, Sbírka matrik Severomoravského kraje, inv. č. 10726, sign. Kr I 75 – matrika narození Krnov (1905–1907)

  • Zemský archiv v Opavě, Sbírka matrik Severomoravského kraje, inv. č. 8855, sign. JV III 13 – oddací matrika Travná (1897–1947)

Literatur

  • Romana Rosová – Martin Strakoš (eds.), Průvodce architekturou Opavy, Ostrava 2011, S. 337.
  • Martin Strakoš – Romana Rosová – Michaela Ryšková, Průvodce architekturou Krnova, Ostrava 2013, S. 333.
  • Vladimír Šlapeta – Jindřich Vybíral – Pavel Zatloukal, Opavská architektura let 1850–⁠1950, Umění 34, 1986, S. 229–242.
  • Pavel Šopák, Oskar Wittek: architektura jako monument, in: Acta Historica Universitatis Silesianae Opaviensis 4. Osobnosti na křižovatce dějin, Opava 2011, S. 245–249.
  • Pavel Šopák, Vzdálené ohlasy. Moderní architektura českého Slezska ve středoevropském kontextu 1, Opava 2014.
  • Pavel Šopák, Vzdálené ohlasy. Moderní architektura českého Slezska ve středoevropském kontextu 2, Opava 2014.
  • Jindřich Vybíral, Opavská architektura v letech 1930–⁠1938, Časopis Slezského muzea, série B – vědy historické, 36, 1987, S. 257–278.
  • Jindřich Vybíral, K německé expresionistické architektuře na Moravě a ve Slezsku, in: Expresionismus a české umění (kat.), Praha 1994, S. 227–230.