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Die Kreuzung der Straßen Hrnčířská und Ostrožná und die Einmündung in den Platz Horní náměstí bildete seit dem Mittelalter einen wichtigen Knotenpunkt im Straßennetz des historischen Stadtkerns von Troppau (Opava), obwohl sie ihrer Entstehung und Bedeutung nach außerhalb der Bebauung der beiden historischen Plätze lag. An der Ecke der genannten Straßen befand sich das „Beneschauer“ Freihaus, und genau hier ließ der tschechische Buchhändler František Havlický in den 1920er Jahren einen modernen Neubau von urbanem Zuschnitt errichten.
Das ursprünglich fünfstöckige und heute teilweise sechsstöckige, zweiflügelige Mietshaus mit einer dynamisch abgerundeten Ecke, die im Erdgeschoss durch den Eingang zum Geschäftsteil des Hauses und über diesem Eingang mit durchgehenden Balkonbändern akzentuiert ist, ist zur Kreuzung der Straßen Hrnčířská und Ostrožná in Richtung Horní náměstí hin orientiert. In den ersten beiden Etagen entstanden repräsentative Geschäftsflächen für Havlickýs Buchhandlung und das Café Orient, das an die Tradition der umliegenden Cafés anknüpfte.
Bautechnisch handelt es sich um eine Kombination aus Ziegelmauerwerk und Stahlbetonskelett mit Balkonen, die der Fassadenfläche vorgesetzt sind und durch Streifen aus verputztem, schmucklosem Geländer akzentuiert werden. Die stilistische Gestaltung des Gebäudes zeugt zugleich von einer gewissen Unsicherheit des / der Architekten bei der Wahl des Baustils. Es handelt sich um ein Übergangsgebäude an der Schnittstelle zwischen Tradition und Dekorativismus und der Dynamik und Strenge der aufkommenden Moderne. Traditionellere Formen zeigen sich in der Gestaltung der vertikal angelegten Fensteröffnungen, der Gesimse oder aber in der Modellierung der feinen, dekorativen Konsolen. Die moderne Dynamik der puristischen und funktionalistischen Ausdrucksweise zeigt sich vor allem in der Verwendung der horizontalen Geländerstreifen der durchgehenden Balkone und in den überwiegend schmucklosen Fassaden des Hauses. Dynamische Elemente, die sich bereits in der deutschen expressionistischen Architektur, vor allem im Werk des Architekten Erich Mendelsohn oder in der Arbeit von Vertretern anderer Strömungen der architektonischen Avantgarde, durchsetzten, waren damals ein beliebtes Element moderner Bauwerke. Die Kombination dieser gegensätzlichen Positionen der Architektur Mitte der 1920er Jahre war ein Anzeichen für die Suche nach einem angemessenen und aktuellen Ausdruck, nicht aber ein Beweis für dessen Finden. Gleichzeitig spiegelte sich darin das Bestreben des Bauherrn wider, in den historischen Kern von Troppau eine neue, dem Zeitgeist entsprechende Architektur einzubringen.
Das Haus wurde in der ersten Hälfte des Jahres 1945 bei Kriegshandlungen beschädigt. Anschließend wurde es nach dem Entwurf der Firma V. Nekvasil im Jahr 1947 zum Hotel Orient umgebaut, wobei ein Teil des Hauses um eine sechste Etage aufgestockt wurde. Im Erdgeschoss wurde ein Schnellrestaurant eingerichtet, im Keller eine Nachtbar. Das Café blieb erhalten, und die übrigen Teile des Hauses dienten dem Hotelbetrieb. In den Jahren 1992–1995 erfolgte ein weiterer Umbau, diesmal für die Bedürfnisse einer Bank. Dabei kam es zu Veränderungen in der Raumaufteilung, Anpassungen an den Fassaden und des Parterres. Die wertvollsten Ausdruckselemente des Hauses stellt die dynamisch gestaltete Fassade mit den horizontal verlaufenden Balkonen und der abgerundeten Ecke dar, die ursprünglich im Parterre durch den verglasten Haupteingang zur Buchhandlung hervorgehoben wurde. Das Bauwerk betonte durch seine Gestaltung die erwähnte Straßenkreuzung und brachte zugleich eine puristische und dynamisierte moderne Architektur in den historischen Kern Troppaus der 1920er Jahre – am Übergang zwischen aufkommender Avantgarde und der sich allmählich wandelnden Traditionen und des Dekorativismus.
MSt